Zuckerrüben Journal Nr. 02/2018
20 | Zuckerrübenjournal LZ 19 · 2018 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U T E C H N I K Z U C K E R | diese feste Matratze wird eine dünne Einstreu als Deckschicht gelegt. Dazu werden im Mischwagen zum Beispiel 700 kg kurzes Stroh, 500 kg Sägespäne oder Ahnliches, 1 000 kg Carbokalk und 800 l Wasser gemischt. Diese Deck- schicht dient sozusagen als Verbrauchs- schicht. Sie wird beim Reinigen der Box von Kot und Urin oder beim Auf- stehen der Kühe nach und nach abge- tragen und entsprechend ersetzt. Die Mischung aus Stroh und Carbokalk saugt Kot und Urin gut auf und hält da- mit die Kühe sauber. Der Carbokalk wirkt dabei keimabtötend, die Liege- box bleibt also trocken und hygieni- scher. Dies hat zusätzlich eine positive Wirkung auf die Klauengesundheit. Die alternativ verwendete Sandein- streu hat den Nachteil, dass der Sand in den Güllekanal gelangt, dort absinkt und der Kanal nach und nach „verlan- det“. Das ist bei dem Stroh-Kalk-Ge- misch nicht zu befürchten, da der Kalk in der Gülle in Schwebe bleibt und, wie einige Landwirte berichten, sogar die Fließfähigkeit der Gülle verbessert. Für das Stroh-Kalk-Gemisch sollte ein möglichst feiner Kalk eingesetzt werden. Deshalb bietet sich hierfür be- sonders Carbokalk an. Er ist im Ver- gleich zu anderen Kalken nicht nur kostengünstig, er hat durch seinen Herstellungsprozess eine sehr feine natürliche Struktur und wird nicht wie andere Kalke gemahlen. In der Zucker- fabrik zerfallen die ursprünglichen Kalksteine im Kalkofen in ihre Be- standteile. Diese werden zur Reini- gung des Zuckersaftes eingesetzt, wo- bei sich der Carbokalk in seiner sehr feinen Struktur bildet. Carbokalk im biologischen Landbau Was nur wenige wissen: Carbokalk ist auch grundsätzlich im biologischen oder ökologischen Landbau laut EU-Ver- ordnung Ökologischer Landbau zugelas- sen. Damit können auch biologisch wirt- schaftende Betriebe die Vorteile von Carbokalk nutzen. So lassen sich zum Beispiel teure Gesteinsmehle durch den günstigeren Carbokalk ersetzen. Nebenbei nutzt der Einsatz von Carbokalk auch der Energiebilanz. Die Energie, die für die Herstellung von Carbokalk benötigt wird, ist wesent- lich geringer als die Energie, die für das Mahlen von Kalksteinen eingesetzt werden muss. Da es im biologischen Anbau viele verschiedene Verbände gibt, sollte sich allerdings jeder Biobetrieb bei seinem Verband nach der Zulassung explizit erkundigen. Carbokalk imWald Auch wenn der „saure Regen“ lange nicht mehr so sauer ist, benötigen die Waldflächen ebenso regelmäßige Kalk- gaben. Diese Kalkgaben werden oft mit Hubschraubern ausgebracht. Da- bei möchte man natürlich eine gute Verteilung des Kalks im Wald errei- chen, gleichzeitig aber eine übermäßi- ge Staubentwicklung verhindern. Aus diesem Grund wurde in der Vergan- genheit in der Region der Zuckerfabrik Appeldorn versuchsweise Carbokalk aufwendig granuliert und dann von Hubschraubern aus gestreut. Aus Sicht der Kalkung hat der Versuch mit Car- bokalk sehr gut funktioniert. Leider verhinderten die Herstellungskosten für das Granulat zurzeit einen breite- ren Einsatz. Sollte sich in Zukunft ein günstigerer Herstellungsprozess erge- ben, ist dies sicher ebenfalls ein inter- essantes Einsatzgebiet für Carbokalk. Fazit In Zeiten niedriger Preise vieler Feld- früchte wird natürlich nach Einspar- möglichkeiten in verschiedenen Berei- chen der Produktion gesucht. Dabei fällt oft die Flächenkalkung dem Rot- stift zum Opfer. Gerade niedrigen Pro- duktpreisen sollte man mit hohen Er- trägen entgegenwirken. Dafür ist eine gute Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen essenziell. Dies kann nur auf Standorten mit optimal angepass- ten pH-Werten geschehen. Sparen am Kalk ist Sparen am falschen Ende! TimWischmann Pfeifer & Langen Appeldorn Carbokalk kann sehr gut in das Einstreu- material im Stall gemischt werden. Foto: TimWischmann Feldtage im Rheinland 29. Mai Der Ackerbautag Beckrath der Landwirtschaftskam- mer NRW findet am Dienstag, den 29. Mai , von 10.00 bis 14.30 Uhr auf dem Betrieb Josef Wirtz, Herrather Straße 49 in 41812 Erkelenz-Venrath statt. Zu sehen sind die Sortenversuche Winterweizen und Wintergerste, außerdem sind Infostände der Land- wirtschaftskammer, des Rübenbauerverbandes, des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes Zucker- rübe (LIZ) sowie der Pflanzenschutz-, Düngemittel- und Saatgutindustrie vertreten. 6. Juni Der Feldtag Buir 2018 öffnet amMittwoch, den 6. Juni , von 10.00 bis 14.30 Uhr seine Tore auf dem Versuchsstandort Kerpen-Buir, Talstraße 53 in 50170 Kerpen. Schwerpunkte des von der Landwirt- schaftskammer, dem Rübenbauer-Verband und dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zu- ckerrübe (LIZ) organisierten Feldtags sind die Sor- ten- und Anbauversuche zu Getreide und Raps so- wie die Demoflächen zu Zuckerrüben. Auch hier sind Pflanzenschutz-, Düngemittel- und Saatgutin- dustrie mit Infoständen vertreten. 19. Juni Die Landwirtschaftskammer NRW führt seit 25 Jah- ren Versuche im Ackerbau am Niederrhein durch. Am 19. Juni wird dieses Jubiläum gefeiert. Der Feld- tag findet von 10 bis 15 Uhr auf dem Neenrathshof amVersuchsfeld an der Neenrathsstraße in Neukir- chen-Vluyn statt. Die Pflanzenbauberater und die Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer NRW erläutern aktuelle Versuchsfragen des Acker- baus und des Gewässerschutzes. Als Besonderhei- ten gibt es den Anbau von Getreide-Leguminosen- gemengen und alten Getreidearten wie Dinkel, Em- mer und Einkorn zu sehen. Zahlreiche Aussteller aus Züchtung, Industrie und Handel bereichern das Programm des Feldtags. ■
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