Zuckerrüben Journal Nr. 02/2018

18 | Zuckerrübenjournal LZ 19 · 2018 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U T E C H N I K Z U C K E R | Neben dem Entwicklungsstadium der Pflanzen hatte auch die Witterung einen entscheidenden Einfluss auf die Unkrautwirkung. Gute Wirkungsgra- de wurden bei warmen und trocke- nen Witterungsbedingungen erzielt, weil dann die ausgerissenen Unkräu- ter auf der Bodenoberfläche vertrock- neten. Das jeweilige Anbausystem der Zu- ckerrüben hatte keinen Einfluss auf die Unkrautwirkung der verschiede- nen Maßnahmen. Auch gab es bedingt durch die Mulchauflage keinerlei Be- einträchtigung, wie Verstopfungen beim mechanischen Eingriff. Der Blick auf die Kosten und die Arbeitszeit Den größten Kostenblock in dieser Versuchsserie verursachte mit deutlich über 300 €/ha der chemische Herbi- zideinsatz. Dieser konnte in den Varianten durch den Einsatz der Bandspritze oder das Einsparen einer Flächenbehandlung um 30 bis maxi- mal 60 % reduziert werden (Grafik 5). Gleichzeitig stiegen durch den ver- mehrten mechanischen Einsatz die Maschinenkosten. Diese nehmen aller- dings nicht in gleichem Maße zu, wie die Herbizidkosten abnehmen, sodass die Gesamtkosten mit zunehmender Mechanik moderat sinken. Besonders auffällig sind die großen Unterschiede im Arbeitszeitbedarf (Grafik 5). Dieser liegt in der Variante 1 (mit dreimaliger Flächenspritzung) bei nur 0,5 AKh/ha und kann bei getrenn- ten Band- und Hackarbeiten das Sie- benfache und bei der Kombination die- ser Maßnahmen immer noch das Vier- fache betragen. Zusammenfassend lässt sich über diese dreijährige Versuchsserie festhal- ten: ◾ Bei geringem Unkrautbesatz sind alle Varianten erfolgreich. ◾ Bei starkem Unkrautbesatz mit Pro- blemunkräutern ist keine Variante erfolgssicher. ◾ Die Mulchsaat beziehungsweise das -material bereitet in keiner Variante Probleme. ◾ Durch Hacke und Bandspritze kön- nen bis zu 60 % Herbizidkosten ein- gespart werden. ◾ Der Erfolg der mechanischen Maß- nahmen hängt stark vom Wetter ab ◾ Anschaffungskosten (Spezialma- schinen) und Arbeitszeitaufwand sind hoch. Weitere Überlegungen zum Einsatz in der Praxis … Herbizidkosten Mit der im Versuch eingesetzten Stan- dardhacke und Bandspritze konnten technisch bedingt das Herbizidband auf maximal 18 cm reduziert werden. Dies entspricht einer Reduktion der Herbizidmengen und -kosten um im- merhin 60 %. Bei modernen Hackgerä- ten kann durch den Einsatz von GPS und Kamerasteuerung näher an die Rübe herangehackt werden und da- durch das Herbizidband noch schma- ler werden. Hier könnten weitere 10 bis 15 % Herbizide eingespart werden. …Witterung Die Witterung spielt erfahrungsgemäß nicht immer mit. Wenn man annimmt, dass der Hackeinsatz nur in vier von fünf Jahren gelingt, müsste in dem Problemjahr eine zusätzliche Flächen- behandlung eingeplant werden. Mögli- cherweise sind die Unkräuter dann be- reits weiterentwickelt, sodass hohe Aufwandmengen oder gar ein Splitting notwendig werden. Dann würden zu- sätzliche Kosten von etwa 150 €/ha zu Buche schlagen. Diese Kosten, aufge- teilt auf fünf Jahre, würden den Kos- tenvorteil der bei einer modernen Ha- cke wie im vorigen Absatz beschrie- ben, wieder völlig aufzehren. … Einsatztage, Leistung, Maschinen- bedarf Im Rheinland wachsen auf rund 50 000 ha Zuckerrüben. Für die anste- hende Unkrautbekämpfung steht in et- wa ein Monat zur Verfügung. Nehmen wir an, dass für eine gute Hackarbeit 14 Tage genutzt werden können und eine moderne zwölfreihige Hacke mit Bandspritze 30 ha/Tag bearbeiten kann. Dann bedeutet dies, dass bei ei- nem Hackgang in der Herbizidsaison jede Maschine 420 ha und bei geplan- ten drei Hackgängen pro Maschine le- diglich 140 ha Rübenfläche bearbeitet werden könnten. Dies würde einem Hackmaschinenbedarf von etwa 360 Profimaschinen für das Rheinland ent- sprechen. … Arbeitsaufwand Der im Durchschnitt dreimalige Ein- satz der Flächenspritze bedeutet bei 50 000 ha Zuckerrüben und 0,5 Akh/ha 25 000 Arbeitskraftstunden. Unter der Annahme, eine unkrautfreie Fläche durch eine dreimalige Hacke-Band- Kombination zu erzielen, würden bei anfallenden 2,0 Akh/ha 100 000 Ar- beitskraftstunden anfallen. Diese zu- sätzlichen 75 000 Akh müssten dann innerhalb eines Monats abgearbeitet werden. Fazit Einerseits zeigen die Versuchser- gebnisse gute Möglichkeiten, die Herbizidaufwandmengen bei ver- gleichbaren Wirkungsgraden zu redu- zieren und damit den zukünftigen politischen Forderungen gerecht zu werden und die Kosten im Rübenan- bau im Griff zu halten. Andererseits erfordert die mechanische Unkrautbe- kämpfung ein erhöhtes Maß an acker- baulichem Fingerspitzengefühl, hohe Investitionen für Spezialmaschinen und gut ausgebildete Landwirte und Mitarbeiter, die in einem sehr kurzen Zeitfenster diese zusätzlichen Arbei- ten erledigen müssten. Diese Chancen und Herausforde- rungen gilt es zu erkennen und abzu- wägen, in welchem Umfang Rüben an- bauende Betriebe dies in ihre betrieb- lichen Abläufe und zukünftigen Ent- wicklungen einplanen können. Clemens Eßer Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG LIZ-Koordinationsstelle 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 0 50 100 150 200 250 300 350 400 1 2 3 4 5 6 7 8 Arbeitszeitbedarf h/ha Kosten €/ha Variante Herbizidkosten Maschinenkosten Arbeitszeitbedarf Grafik 5: Gesamtkosten 2014 bis 2016 – Standort Widdendorf

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