Zuckerrüben Journal Nr. 02/2018
12 | Zuckerrübenjournal LZ 19 · 2018 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T A N B A U T E C H N I K | Z U C K E R | mehreren, aufeinanderfolgenden Be- handlungen im Splitting-Verfahren, bei denen im Abstand einiger Tage je- weils nur ein Teil der Aufwandmenge ausgebracht wird, wobei die zugelasse- ne Aufwandmenge nicht immer voll ausgeschöpft wird. Das Spektrum der zur Verfügung stehenden herbiziden Wirkstoffe ist seit Jahrzehnten fast un- verändert. Es sind nur wenige Wirk- stoffe, die die Grundlage der praxisüb- lichen Herbizidstrategien bilden (Gra- fik 2, gelbe Balken). Diese werden in nahezu allen Betrieben und Regionen angewendet. Andere Wirkstoffe, die der Bekämpfung spezieller oder schwer bekämpfbarer Unkräuter dien- ten, fanden in einem geringeren Teil der Betriebe Anwendung. Die Wahl des Herbizids und die Intensität rich- ten sich maßgeblich nach dem stand- ort- und jahresspezifischen Auftreten der Unkräuter, insbesondere der Leit- und Problemverunkrautung. Durch eine mögliche fruchtfolge- und witterungsbedingte Ausbreitung von Problemunkräutern könnte sich das Ranking der angewendeten Wirk- stoffe verändern und die Intensität der Herbizidanwendungen ansteigen. Fungizide Fungizide werden auf etwa 70 % der Flächen angewendet. Dabei zeigt sich eine ausgeprägte Verteilung mit deut- lich niedrigerer Behandlungsintensität im Osten im Vergleich zu allen ande- ren Regionen. Bundesweit betrachtet sind Behandlungshäufigkeit und Be- handlungsindex bei Fungiziden nahe- zu identisch bei 0,9 bis 1,1, was darauf zurückzuführen ist, dass bei Fungizi- den in der Regel die zugelassene Auf- wandmenge bei einer Behandlung ap- pliziert wird. Diese Maßnahme sowie ein Wirkstoffwechsel bei mehrmaliger Fungizidbehandlung können einen Beitrag zur Vorbeugung einer Resis- tenzbildung in pilzlichen Schaderre- gern leisten. Da die Anzahl zugelasse- ner fungizider Wirkstoffe mit verschie- denen Wirkorten und Wirkmechanis- men bei Zuckerrüben begrenzt ist, ist eine hohe Wirksamkeit der Anwen- dung zur Vorbeugung einer Resistenz- bildung sehr wichtig. In Jahren mit frühem Auftreten der Blattkrankheiten und anhaltend güns- tiger Witterung für die Pilzentwick- lung bis in den Herbst werden wieder- holte Fungizidbehandlungen zum Schutz des Blattapparates der Zucker- rüben notwendig. Das frühe Auftreten von Blattkrankheiten Anfang Juli 2012 führte in Verbindung mit einem war- men, feuchten Witterungsverlauf in den nachfolgenden Wochen dazu, dass sich die Cercospora-Blattflecken in vielen Regionen schnell ausbreiteten. So wurden 74 % der Flächen in den Er- hebungsgebieten behandelt. Zudem fanden in einigen Regionen mehrfa- che Fungizidbehandlungen statt. Da- mit erhöhte sich der Behandlungsin- dex für Fungizide 2012 im Bundesmit- tel auf 1,10, in Rheinland-Pfalz sogar auf 1,73. Wie auch bei den Herbizidanwen- dungen kann eine Veränderung der Witterung die Fungizidintensität be- einflussen: Eine höhere Intensität würde künftig notwendig, wenn ein frühes Auftreten von Schadpilzen kombiniert mit anhaltend warmer, feuchter Witterung eine schnelle und anhaltende Ausbreitung von Blatt- fleckenkrankheiten im Zuckerrüben- anbau fördert. Insektizide und Molluskizide Die Ausbringung von Molluskiziden und Sprühapplikationen von Insektizi- den finden nur auf einem geringen An- teil der Flächen statt. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Jahren bei der Anwendung von Insek- tiziden. Während in den meisten Jah- ren 10 bis 15 % der Flächen mit Insekti- ziden behandelt wurden, war es 2012 ein Anteil von 20 % und 2015 ein Anteil von 30 %. Ursache für den Anstieg war das regional frühe und ausgeprägte Auftreten von Läusen in mehreren Re- gionen. Dies erklärt auch die dominie- Berechnung der Kennzahlen Im Rahmen der PAPA-Erhebungen zum Zuckerrübenanbau werden folgende Angaben zu Pflanzenschutzmaßnahmen schlagspezifisch für den größten Schlag des befragten Be- triebs erfasst: ◾ Datum der Anwendung, ◾ vollständiger Name des Pflanzenschutzmittels, ◾ Aufwandmenge des Pflanzenschutzmittels, ◾ behandelte Fläche in Hektar. Dabei werden alle Maßnahmen ab der Ernte der Vorfrucht berücksichtigt, also auch Pflanzenschutzmittelanwendun- gen im Herbst vor der Zuckerrübenaussaat. Der Erhebungs- zeitraum endet mit der Ernte beziehungsweise mit der letz- ten Pflanzenschutzmittelanwendung vor der Ernte der Zuckerrüben und umfasst so meist etwas mehr als ein Jahr. Die Ergebnisse sind unter http://papa.julius-kuehn.de ein- sehbar. ■ Jahr Behandlungsindex 0 1 2 3 4 5 Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Behandlungshäufigkeit 0 1 2 3 4 5 6 Herbizide Fungizide Insektizide Herbizide Fungizide Insektizide Grafik 1: Entwicklung der Behandlungshäufigkeiten (links) und der Behandlungsindices von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden (rechts)
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