07.09.2016

Kommentar Spargel & Erdbeerprofi Nr. 04/2016 - Bekenntnis zum Standort

Thomas Kühlwetter

Europa ist in vielen Fragen uneins -  in den Zeiten von Finanzkrise,  Flüchtlingskrise und Brexit wächst die Kluft zwischen den einzelnen Ländern und Regierungen von Tag zu Tag und den Menschen fällt es zunehmend schwer, Verständnis für das Handeln der anderen aufzubringen. Mitunter gleicht die Welt einem Pulverfass, die Zündschnüre sind in viele Richtungen ausgelegt und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo jemand auf der Welt die Nerven verliert und die Lunte entzündet.

Auch die Landwirtschaft kämpft gegenwärtig mit schweren Zeiten. Ein Ende der Milchkrise ist gegenwärtig kaum absehbar – gegenseitige Schuldzuweisungen führen nicht zu einer Lösung. Eine in vielen Aspekten verfehlte Landwirtschaftspolitik  mit  fragwürdigen Fördermaßnahmen mag einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Situation beigesteuert haben.

Auf der anderen Seite sollte den landwirtschaftlichen Unternehmern auf ihrem Weg in die Expansion auch klar gewesen sein, dass eine Produktion in einem Hochlohnland mit den weltweit fast höchsten Umweltauflagen, mit komplizierten Genehmigungsverfahren und extremen Anforderungen beim Bauen, auf dem Weltmarkt niemals im Wettbewerb bestehen kann. Zudem ist noch zu bedenken, dass  die Expansion auf einen äußerst labilen Markt in Asien ausgerichtet war.

Nur begrenzt wettbewebsfähig auf dem Arbeitsmarkt

Nun ist das Dilemma da und es gilt eine Rückbesinnung auf den heimischen Markt. Der Schrumpfungsprozess wird voraussichtlich für viele Betriebe sehr schmerzhaft sein, es droht eine Welle an Betriebsaufgaben und die gesellschaftlichen Folgen - gerade auch in den ländlichen Regionen – sind kaum absehbar. Auch in anderen Bereichen des Agrarsektors stehen die Zeichen nicht zum Besten.

Die Getreideernte liegt durch die extremen Wetterkapriolen in vielen Regionen auf einem niedrigen Ertragsniveau, zudem stimmen die Qualitäten oft nicht und die Preise sind auf Grund großer Ernten in anderen Regionen dieser Welt und beachtlicher Vorräte auf einem niedrigen Niveau. Lediglich im Veredlungssektor ist nach einer Durststrecke in einigen Bereichen ein Aufwind spürbar, andere Bereiche laufen dort sogar recht positiv.

Konsequenz bringt Erfolg

Und wie sieht Ihr Resümee nach dieser Erntesaison aus? Die Spargelernte ist beendet und die Aussagen der Praktiker reichen fast über alle Stufen der Bewertungsskala, je nach Region, Kulturverfahren und Ausrichtung der Vermarktung. Größte Herausforderung waren oftmals die Wetterextreme, die eine Beerntung von Flächen enorm erschwerten oder gar unmöglich machten.

Alle guten Vorsätze zur Planung wurden dabei über den Haufen geworfen. Weitgehend übereinstimmend im Ergebnis positiv hervorgehoben. Die Saison 2016 unterstreicht einmal mehr, dass nur eine konsequente Bewirtschaftung unter Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten zum Erfolg führen kann.

Nahezu gleiches gilt für den Bereich der Erdbeeren. In zahlreichen Betrieben läuft die Ernte noch, auch wenn die Hauptsaison schon Wochen vorüber ist. Das Resümee der Erdbeeranbauer zum bisherigen Saisonverlauf ähnelt der Aussage der Spargelanbauer. Die extreme Witterung hat einmal mehr deutlich gemacht, welche Bedeutung ein effektiver Schutz von Pflanzen und Früchten hat. Aus dem Handel werden die Forderungen nach Früchten aus geschütztem Anbau immer deutlicher vernehmbar.

Der Anbau in anderen Ländern wie Spanien, Portugal, England, Belgien oder in den Niederlanden ist in diesem Bereich erheblich weiter vorangeschritten. Mit weiter abnehmender Verfügbarkeit von Flächen, steigendem Lohnniveau sowie anhaltenden Forderungen aus dem Handel sowie von Kunden in der Direktvermarktung, dürfte der geschützte Anbau eine weitere Expansion erfahren.

Dialog wichtig

Eine Ausdehnung dieser Kulturverfahren ruft sicher einen Erklärungsbedarf gegenüber der Bevölkerung hervor. Die Begeisterung der Menschen für die mitunter das Landschaftsbild verändernden Tunnel hält sich verständlicher Weise in Grenzen. Erklärt man den Menschen, die gleichzeitig oft auch Kunden sind, die Vorzüge und Hintergründe dieser Kulturtechnik – und dafür gibt es neben dem Aspekt des regionalen Anbaus eine ganze Reihe weiterer Argumente - ist das Verständnis meist auf Seite der Erzeugerbetriebe. Aus Sicht der Erzeuger ist auch dies ein wichtiges Bekenntnis zum eigenen Standort.

Thomas Kühlwetter


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