17.06.2020

Kommentar Spargel & Erdbeerprofi Nr. 03/2020 - Kompliment für diese Leistung

Thomas Kühlwetter

Ausnahmesituationen erfordern außergewöhnliches Handeln – im März lagen die Nerven bei nahezu allen Beteiligten, die in irgendeiner Weise beruflich eng – ob auf den Betrieben, im Zuliefer-, Vermarkter- oder Handelsbereich – mit der Spargel- und Beerenbranche verbunden sind, blank. Auch jetzt sind noch bei vielen dieser Menschen die Nerven angekratzt, aber zwischenzeitlich wurde viel erreicht, was vor Monaten noch fast unmöglich erschien.

Fast jeder Tag in dieser Saison verlief enorm kräftezehrend und war nicht vergleichbar mit dem Ablauf in den Vorjahren, in denen es häufig auch schon recht stressig zuging. Aber es war meist eine andere Art von Stress, durchaus schon sehr fordernd, aber man war im Vorfeld darauf eingestellt.

Keine Saison für schwache Nerven

„Ich bin noch niemals so gealtert wie in dieser Saison“ ist ein Satz, der in Gesprächen mit Betriebsleitern immer wieder fällt. Die Anspannung in dieser Saison war und ist enorm, denn zur zuvor schon üblichen Anspannung sind einige weitere Faktoren hinzugekommen, jeweils begleitet von einer tiefen Ungewissheit. Oft ist unklar, wie es in den nächsten Tagen oder Wochen weitergehen wird, wie die zahlreichen neuen Maßnahmen in den Betriebsablauf integriert und anschließend umgesetzt werden können, wie die zusätzlich erforderlichen Kapazitäten zur Unterbringung geschaffen werden können, die Transporte der Saisonarbeitskräfte bei der Anreise oder im Betrieb organisiert werden können, welche Bestände vorzeitig aus der Produktion genommen werden, weil zu wenige Arbeitskräfte vorhanden sind und der Absatz aufgrund der zwangsweise geschlossenen Gastronomie erheblich in Mitleidenschaft geraten ist?

Normalität trat auf den Betrieben zu nahezu keinem Zeitpunkt während der Saison ein und gegenwärtig ist es überhaupt nicht absehbar, ob und wann dies wieder einmal der Fall sein wird. Nicht nur die physischen Kräfte aller Beteiligten sind gefordert, insbesondere die Psyche vieler Menschen, die das aufgrund stetig wechselnder Vorzeichen entstehende „Chaos“ immer wieder in eine Ordnung bringen müssen, ohne zu erahnen, was sie am nächsten Tag erwartet, stand unter Anspannung. Allen Beteiligten, von der Betriebsleiterfamilie bis zu den Saisonmitarbeitern sowie den Verantwortlichen und Mitarbeitern in den berufsständischen Verbänden, die über die Grenzen des Verbandsdenkens hinaus enormes geleistet und in kürzester Zeit auf politischer Ebene eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem mit der Einreise von Saisonarbeitern und deren Beschäftigung gefunden haben, muss an dieser Stelle einmal ein großes Kompliment ausgesprochen werden. Sie alle haben geleistet, was kaum vorstellbar war und dabei viel erreicht.

Wirtschaftliches Ergebnis zeigt sich später

Es ist und bleibt hoffentlich eine einmalige Saison, denn niemand der Beteiligten dürfte sich eine Wiederholung wünschen. Dafür waren die Abstriche und Einschnitte in vielen Bereichen zu schwerwiegend. Die Umsetzung der zusätzlichen Maßnahmen war aufwendig und die damit verbundenen Kosten hoch. Wie das wirtschaftliche Ergebnis am Ende aussehen wird, dürfte - wie in allen Jahren zuvor - sehr unterschiedlich von Betrieb zu Betrieb ausfallen. Nicht überall kann es gelungen sein, die drohende Katastrophe abzuwenden. Dennoch – so ist zu hoffen - sind die meisten Betriebe und Unternehmen noch mit einem „blauen Auge“ davongekommen oder können mit einem vielleicht noch akzeptablen bis guten Ergebnis diese Saison abschließen. Einige Bereiche haben echt geboomt, wie z.B. die Direktvermarktung, andere Bereiche eine kleine Renaissance erlebt, wie die Selbstpflücke, andere wahrscheinlich ein Desaster wie die Gastronomie.

Die Kreativität vieler Betriebe, aus der misslichen Situation doch noch etwas Positives zu entwickeln, war und ist beeindruckend. Die innere Einstellung und Art und Weise, wie viele Betriebe diese Saison trotz der außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen meistern, macht Mut für die Zukunft. Landwirtschaft und regionale Erzeugung haben in Corona-Zeiten einen neuen Stellenwert in der Wahrnehmung vieler Menschen erreicht. Diesen zu wahren und auszubauen, ist sowohl eine Chance als gleichzeitig auch eine Herausforderung für die Zukunft.

Insbesondere die Psyche vieler Menschen in unserem Bereich stand und steht unter Anspannung.


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