04.04.2016

Kommentar Spargel & Erdbeerprofi Nr. 02/2016 - Keine Zeit für Träumereien

Thomas Kühlwetter

Professionalität in allen Bereichen gefragt

Wenn in Deutschland im vergangenen Jahr auf 18 370 ha Erdbeeren (inkl. 3 650 ha Anzuchtfläche) und auf 25 700 ha Spargel (davon 5 110 ha ohne Beerntung) angebaut wurden, so wird deutlich, dass beide Kulturen längst das Nischendasein beendet haben. Hohe Professionalität ist im Anbau und in der Vermarktung erforderlich, um erfolgreich im Markt zu bestehen.

Am 23. März haben die deutschen Bauern einen Protesttag gegen Billigpreise organisiert und mit Aktionen auf rund 100 Marktplätzen und vor Lebensmittelläden auf die prekäre Preissituation aufmerksam gemacht. Von den Ausgaben der Kunden für Lebensmittel kommt nach Erhebungen des DBV weniger als ein Viertel (23,3 %) bei den Bauern an. In 2014 waren die Erzeugerpreise schon um 7,4 % gesunken, in 2015 waren sie nochmals um 6 % gefallen. Diese Spirale dreht sich unaufhaltsam weiter, nur die Kunden an den Ladentheken spüren von den gesunkenen Einstandspreisen offenbar wenig.

Kostendruck erhöht den Wettbewerb

Natürlich ist die Situation auf den Getreide- oder Milchmärkten nicht mit den Märkten für Beerenobst oder Spargel vergleichbar. Dennoch leiden die Beeren- oder Spargelerzeuger unter sinkenden Einnahmen, steigenden Kosten und einem stetig zunehmendem Wettbewerb innerhalb der Branche.

Alleine die Umsetzung des allgemein verbindlichen Tarifvertrages zur Regelung der Mindestentgelte für Arbeitnehmer in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau bringt nach einer Anhebung auf 8,00 €/Std. im Westen und 7,90 €/Std. in Ostdeutschland erhebliche Kostensteigerungen, über deren Dimension oder Auswirkungen sich noch nicht alle Betriebsleiter bewusst sind. Ab Januar 2017 sind 8,60 € mindestens pro Stunde zu zahlen, ab November 2017 sogar 9,10 €/Std. Und die Lohnspirale wird sich auch in den darauffolgenden Jahren weiter nach oben bewegen.

Endgültig haben sich die deutschen Erzeuger damit aus der Liste der kostengünstigen Produktionsstandorte verabschiedet, während in Süd- und Osteuropa die Uhren noch ganz anders ticken. Im Vergleich mit ausländischen Erzeugerbetrieben sind wir – bezogen auf die Preiswürdigkeit der Produkte – kein bevorzugter Wettbewerber mehr. Bestehen können wir nur im nationalen Wettbewerb, wenn Qualität, Geschmack und Haltbarkeit sowie sicher auch der Preis der Produkte die Kunden überzeugen.

Grenzen des Marktes beachten

Doch die Grenzen des Marktes sind erkennbar. Seine Aufnahmefähigkeit bei den Erdbeeren während der Hauptsaison im Juni wurde in den vergangenen Jahren überreizt – mit den bekannten Folgen für Absatz und Preisgestaltung. Die Märkte sind nicht unendlich erweiterbar und neben dem Absatz über die Handelsketten kann die von vielen Betrieben sehr professionell durchgeführte Direktvermarktung nicht hoch genug bewertet werden. Sie ist es, die maßgeblich zum Image unserer Produkte und der Betriebe beiträgt.

Dennoch muss allen Beteiligten klar sein, dass eine Erweiterung im Anbau das Angebot erhöhen wird und oftmals zur Verdrängung auf den Märkten führen wird. Die Effizienz im Detail zu optimieren, kann im Vergleich zu einer Erweiterung der Anbauflächen durchaus die bessere Alternative für die Zukunft sein. Verdrängung führt letztendlich zu Verlierern auf allen Seiten. Professionalität ist nicht nur im Anbau, der Vermarktung, sondern auch in der Einschätzung der eigenen Marktchancen gefragt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen der Redaktion viel Erfolg für die anstehende Saison.

Thomas Kühlwetter


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