02.12.2020

Kommentar LZ Rheinland Nr. 49/2020 - Alleine geht’s nicht!

Dr. Elisabeth Legge

Die Schweinehalter durchleben gerade harte Zeiten. Sie müssen mit ruinösen Preisen kämpfen. Und die Lage ist ernst, ja sehr ernst. Dass da Rufe nach Hilfen laut werden, ist mehr als verständlich.

Machen wir uns nichts vor: Die Krise am Schweinemarkt spitzt sich immer mehr zu. Klar, dass die Schweinehalter ein Auf und Ab der Preise kennen, sie sind das durch den Schweinezyklus gewohnt. Aber das, was sie derzeit erleben müssen, ist schon heftig und viele bangen um ihre Existenz. „Unsere Schweinehalter durchleben derzeit die größte Krise seit Jahrzehnten“, stellte hierzu Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), vergangene Woche fest. Der aktuelle Schlachtpreis für Schweine ist auf nur noch 1,19 € pro kg Schlachtgewicht abgestürzt und die Ferkelpreise liegen bei 22 €. Bei solchen Preisen ist eine wirtschaftliche Schweinehaltung einfach nicht mehr möglich. In Deutschland wurden seit Jahresbeginn bis Oktober etwa 1,1 Mio. Schweine weniger geschlachtet als im Vorjahr. In den Ställen stauen sich derzeit etwa 60 000 Tiere.

Dieser Schweinestau hat natürlich Gründe. Sie sind bekannt: Es sind die beiden Viren, das Coronavirus und das ASP-Virus, die diese Krise hervorgerufen haben. Die massiven Corona-Ausbrüche bei Mitarbeitern in den Schlachthöfen und die nach wie vor hohen Vorsichtsmaßnahmen in der Schlachtbranche sowie die fehlenden Exportmöglichkeiten aufgrund der ASP haben zu den dramatischen Preiseinbrüchen geführt. Und ein Ende der Situation ist nicht in Sicht. Leider.

Dass bei vielen Schweinehaltern jetzt die Nerven blank liegen und manch einer ans Aufgeben denkt, ist nicht verwunderlich. Schon in den letzten zehn Jahren hat bereits fast die Hälfte aller Schweinehalter ihren Betrieb eingestellt. Und diese Entwicklung darf sich nicht fortsetzen. Im Gegenteil: Ein regelrechter Strukturbruch in der Schweinehaltung wäre fatal. Denn viele wollen weitermachen. Wenn man die Schweinehaltung weiterhin in Deutschland halten will, weil man auch künftig Schweinefleisch von den heimischen Erzeugern beziehen will, dann muss man etwas tun. Immerhin 87 % der deutschen Bundesbürger halten laut einer Umfrage des Vereins information.medien.agrar (i.m.a) die heimische Landwirtschaft auch künftig für unverzichtbar (siehe S. 63).

Dass der Berufsstand bei Marktpartnern jetzt auf Maßnahmen in der Schweinekrise drängt, ist richtig und vor allen Dingen wichtig. In Gesprächen mit Verarbeitern und Handel über mögliche Maßnahmen ist schon einiges gelaufen und die ersten Anstöße sind gemacht. Da gilt es weiterzumachen. Denn alleine können die Schweinehalter die Situation nicht schultern. Hilfen sind dringend nötig. In Brüssel denkt man auch schon über das Thema der Privaten Lagerhaltung für Schweinefleisch nach. Ob dies allerdings eine Lösung ist, muss mit großem Fragezeichen versehen werden. Die ASP, die Auswirkungen der Corona-Krise, aber auch die Herausforderungen für einen Umbau der Nutztierhaltung und höhere Auflagen – Stichwort Düngeverordnung – frustrieren  die  Bauernfamilien. Immer mehr Gesetze und Verordnungen, gerade in diesen schwierigen Zeiten, das können sie einfach nicht mehr stemmen. Darüber sollten sich alle bewusst sein.

Politik, Verarbeiter und Handel sind jetzt gefordert. Die Bauern brauchen Hilfe. Und das gilt nicht nur für die Sauen- und Schweinehalter. Auch bei den Rinder-, Milchvieh- und Geflügelhaltern ist die Erlössituation derzeit mehr als angespannt. Dabei ist es gerade die Vorweihnachtszeit, in der die Fleischnachfrage und auch die Preise für die Erzeuger ansteigen. Aber im Corona-Jahr 2020 ist bekanntlich alles anders. Durch den erneuten Lockdown in Deutschland und in anderen Ländern in der EU stehen die landwirtschaftlichen Märkte unter Druck. Es gibt keine Großevents mehr, Veranstaltungen fallen aus, Weihnachtsmärkte und Weihnachtsfeiern können ebenfalls nicht stattfinden. Bei den Corona-Hilfen darf dabei die Landwirtschaft nicht vergessen werden. Unverschuldet sind insbesondere die Schweinebetriebe durch Corona in eine finanzielle Krise geraten. Die bäuerlichen Familienbetriebe brauchen jetzt schnelle und unbürokratische Corona-Hilfen wie in der Gastronomie.

Erinnern wir uns: Noch zu Beginn der Corona-Pandemie im März wurde die Landwirtschaft immer wieder als systemrelevant bezeichnet. Aber wenn sie wirklich systemrelevant ist, dann muss man auch etwas für die Bauern tun und dafür sorgen, dass sie die derzeitige Krise überstehen und weiterhin die Lebensmittel für die Bevölkerung liefern können. Denn Lebensmittel sind – wie das Wort schon sagt – Mittel zum Leben. Und die brauchen wir nun einmal.


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