13.10.2021

Kommentar LZ Rheinland Nr. 41/2021 - Dranbleiben

Dr. Elisabeth Legge

Am Thema Digitalisierung kommt man nicht vorbei. Das wissen auch die Landwirte und ihre Familien. Aber in puncto Digitalisierung hinkt man in Nordrhein-Westfalen hinterher. Da muss sich noch einiges tun. Unter anderem muss auch die Aus- und Weiterbildung verbessert werden.

Sind wir einmal ehrlich: Können Sie sich ein Leben ohne PC, ohne Handy oder Smartphone, Internet, Online-Banking oder Onlinezahlung vorstellen? Oder können Sie sich vorstellen, dass es statt digitaler Fotos nur noch Papierfotos gibt? Nein. Das ist eigentlich inzwischen unvorstellbar. Die Digitalisierung ist längst in unserem Alltag angekommen. Immer wieder gibt es neue Techniken. Man wird förmlich von der Digitalisierung überrollt und hier heißt es, auf diesen Zug muss man weiter aufspringen. Man muss dranbleiben, sonst ist man raus.

Das gilt auch für die Landwirtschaft. Auch in diesem Bereich hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Im Antragsverfahren ist es inzwischen Standard. Der EU-Flächenantrag wird digital gestellt und Grundlage des Antrags sind digitale Luftbilder. Aber auch in anderen Bereichen ist Landwirtschaft bereits heute digital. Seit vielen Jahren prägen Informatik und Elektronik den landwirtschaftlichen Alltag. Für die Landwirtschaft sind Landmaschinen mit intelligenten Technologien bestückt und automatisierte Arbeitsprozesse sind auf dem Feld und im Hof angekommen. Ziel der Digitalisierung ist die Steigerung der Nachhaltigkeit und der Produktivität sowie natürlich auch Arbeitszeiteinsparung und -erleichterung. Im Ergebnis führt dies zu einem geringeren Einsatz von Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Energie, aber auch zur Verbesserung beim Tierwohl. Futterroboter, Messeinrichtungen zur Inhaltsstoffbestimmung oder Klimaführungssysteme leisten einen wesentlichen Beitrag zum Tierwohl und für den Umweltschutz und damit letztendlich auch einen wesentlichen Beitrag zu den Wünschen der Gesellschaft an die Landwirtschaft.

Aber die Digitalisierung kommt nicht gut genug voran. Die „Landwirtschaft 4.0“ am Standort Nordrhein-Westfalen ist verbesserungsbedürftig. Dies belegt ein Gutachten der Enquetekommission Landwirtschaft, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde (siehe S. 11). In Sachen „Landwirtschaft 4.0“ gibt es dem Gutachten zufolge noch eine Menge Herausforderungen, die in Angriff genommen werden müssen. An erster Stelle benötigt die Landwirtschaft für eine gute Digitalisierung natürlich ein flächendeckendes Mobilfunknetz, um die technischen Möglichkeiten überhaupt nutzen zu können. Außerdem müssen die Schnittstellen zwischen den einzelnen Geräten und Anwendungen vereinheitlicht werden. Nur so ist ein durchgängiger Datenaustausch auch möglich. Weitere Ansatzpunkte zur Stärkung der Digitalisierung sind unter anderem einzelbetriebliche Förderungen und ein verbindlicher Rechtsrahmen zur partnerschaftlichen Datennutzung.

Und die Aus- und Weiterbildung zu digitalen Themen muss nach Aussagen des Gutachtens verbessert werden. Landwirte sind nun einmal keine IT-Spezialisten. In den Berufsschulen und Fachschulen für Agrarwirtschaft muss das Thema Digitalisierung in den Lehrplänen berücksichtigt werden und einen ausreichenden Raum erhalten. Grundlagen- und Anwenderwissen zur Landwirtschaft 4.0 in der Ausbildung werden oftmals noch zu wenig vermittelt, heißt es dazu in dem Gutachten. Dies stellt natürlich ein deutliches Hemmnis für den Einstieg oder die Weiterentwicklung der Betriebe in Richtung Landwirtschaft 4.0 dar. Begrüßenswert ist, dass die beiden DEULA-Schulen in Nordrhein-Westfalen ihre Ausstattung rund um die Ausbildung im Umgang mit der digitalen Technik zurzeit mit EU-Fördermitteln massiv ausbauen. Nach der Ausbildung geht es aber weiter. Auch hier muss durch Weiterbildungsangebote ausreichendes Wissen zum Thema Landwirtschaft 4.0 vermittelt werden.

Apropos Weiterbildung: Auch diese findet zunehmend digital statt. Die zahlreichen Onlineveranstaltungen unter anderem der Landwirtschaftskammer NRW im vergangenen Jahr hierzu beweisen es. Von den 139 durchgeführten Angeboten konnten 74 in Präsenzform unter Einhaltung der geltenden Corona-Vorgaben mit gut 1 300 Teilnehmern stattfinden. 65 Angebote wurden auf ein Onlineformat umgestellt und erreichten mit 4 100 Teilnehmern gut drei Viertel aller Teilnehmenden der Saison. Und diese Onlineformate dürften an Bedeutung gewinnen. Viele Seminare und Veranstaltungen werden wohl auch in Zukunft online stattfinden oder in einer Kombination von Online- und Präsenzveranstaltung. In jedem Fall lohnt sich ein Blick in das neue Weiterbildungsangebot der Kammer (siehe S. 55). Nicht nur beim Thema Digitalisierung, sondern generell bei der Weiterbildung gilt es dranzubleiben. Die etwas ruhigeren Wintermonate demnächst dürften hierzu jedenfalls reichlich Gelegenheit bieten. Nutzen Sie diese Chancen.


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