05.10.2017

Kommentar LZ Rheinland Nr. 40/2017 - Schluss mit dem Hickhack

Während in Berlin noch über die letzten Feinheiten diskutiert wird, ist die Düngeverordnung auf den Bauernhöfen in Nordrhein-Westfalen schon längst angekommen.

Die finanziellen Folgen sind erheblich. Nicht nur die Pachtpreise werden steigen, der Struktur­wandel wird beschleunigt. Dr. Elisabeth Legge

Die neue Düngeverordnung stellt die Landwirte vor große Herausforderungen. Bester Beweis: Fast 8 000 Landwirte haben in den vergangenen Monaten die Informationsveranstaltungen der Landwirtschaftskammer NRW rund um das Thema besucht. Und manch einer hat dabei festgestellt, dass die Folgen für den eigenen Betrieb noch schlimmer sind als erwartet. Denn eines ist sicher: Die neue Düngeverordnung ist der größte Einschnitt in die Landwirtschaft in den letzten Jahren. Aber Fakt ist auch, dass die Verordnung einen Grund hat. In Deutschland gibt es in einigen Regionen massive Ni­tratprobleme im Grundwasser. Bei aller Kritik an der neuen Verordnung ist ein Zusammenhang mit Viehhaltung und Wirtschaftsdüngereinsatz nicht abzustreiten. Die Politik jedenfalls muss deutlich machen, dass sie etwas gegen das Nitratproblem tun will. Nicht nur weil eine EU-Klage läuft, sondern auch weil die Öffentlichkeit es verlangt.

Auf die Landwirte und die beteiligten Behörden kommt ein enormer Aufwand zu. Aber ein Teil des Aufwandes ist auch das Ergebnis mühsam ausgehandelter Kompromisse. Für die Betriebe mit intensiver Viehhaltung wird es zukünftig teurer und schwieriger, ihre Gülle loszuwerden. Dass auch die Biogasanlagen in die Düngeverordnung einbezogen werden, ist richtig, aber die notwendige Fläche kommt zukünftig auf den Güllemarkt noch oben drauf.

Insbesondere die viehhaltenden Betriebe müssen sich jetzt überlegen, wie sie die neuen Regelungen umsetzen – durch Abstocken des Viehbestandes, durch Flächenzupacht oder indem sie Geld in die Hand nehmen, um die Gülle loszuwerden. Betroffen sind aber alle Betriebe, da die ohnehin schon hohen Pachtpreise in Nordrhein-Westfalen jetzt noch weiter steigen werden. Auch in entlegenen Regionen, wie der Eifel und dem Sauerland, werden die Pachtpreise anziehen, weil intensiv wirtschaftende Betriebe versuchen werden, ihre Flächenbilanz aufzubessern.

Ob die Düngeverordnung in der jetzigen Form ihr Ziel erreicht, bleibt abzuwarten. Schnelle Lösungen kann es nicht geben, weil Nitratwerte, die in Jahrzehnten im Boden angestiegen sind, nicht in zwei Jahren abgebaut werden können. Auch unter Fachleuten ist umstritten, ob die jetzt geltenden Bestimmungen der Verordnung, die Kontrollen und die Sanktionen geeignet sind, die Nitratwerte mittelfristig zu senken. Und damit wird sich eine weitere an die Düngeverordnung geknüpfte Hoffnung des Berufsstandes, das Nitratproblem aus der öffentlichen Diskussion zu bringen, nicht erfüllen. Selbst bei optimaler Bewirtschaftung wird es auf schweren Böden weiterhin zu einem Anstieg der Nitratwerte kommen. Durch eingeschränkte Ausbringzeiten wird noch mehr Gülle in kurzer Zeit und in abgelegenere Regionen ohne Viehhaltung transportiert. Bei der Bevölkerung entsteht der Eindruck, es wird noch mehr Gülle als bislang gefahren. Die Beschwerden werden zunehmen und die öffentliche Diskussion wird befeuert.

Wichtig ist jetzt, dass die Stoffstrombilanz-Verordnung endlich beschlossen wird. Das kleinkarierte politische Hickhack muss endlich ein Ende haben, denn die Landwirte brauchen Planungssicherheit. Aber egal, was am Ende dabei herauskommt, große Veränderungen oder sogar Verbesserungen – wie vielleicht noch mancher Landwirt hofft – wird es wohl kaum geben. Die wichtigsten Regeln sind durch die bereits geltende Düngerbedarfsermittlung bereits gesetzt. Ebenfalls wenig Hoffnung macht die Erklärung einzelner Parteien, die Düngeverordnung entrümpeln zu wollen. Denn keine Partei kann bei der nächsten Wahl auf deutlich mehr Stimmen hoffen, weil sie mehr Gülle aufs Feld lässt.

Jeder Landwirt muss für seinen Betrieb genau rechnen, wie es weitergehen kann. In jedem Fall wird die Umsetzung der neuen Verordnung für die allermeisten Viehbetriebe viel Geld kosten. Sie sollten nicht die Augen verschließen, sondern zusammen mit Ihrem Berater rechnen und dabei alle Optionen prüfen. Ob die Düngeverordnung ihre Ziele erreicht, ist offen. Die finanziellen Folgen sind jedenfalls erheblich. Nicht nur die Pachtpreise werden steigen, der Strukturwandel wird beschleunigt. Dabei kann man nur hoffen, dass die Nitratwerte rasch sinken, denn sonst wird die Düngeverordnung nicht der letzte Schritt bei diesem Thema sein.


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