16.09.2020

Kommentar LZ Rheinland Nr. 38/2020 - ASP: Nur ein weiterer Tropfen

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

Bis Redaktionsschluss war es nur ein einziges Wildschwein. Doch das hat gereicht, um Behörden und Politik zu mobilisieren und die Land- und Fleischwirtschaft noch weiter zu sensibilisieren. Mehr hat es aber auch nicht gebraucht, um die auf den Plan zu rufen, die sowieso mit der heimischen Nutztierhaltung aufräumen wollen.

Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) habe ich keine allzu große. Das liegt nicht einmal daran, dass die Tierseuche für den Menschen ungefährlich ist. Aber ich habe große Sorgen wegen der ASP. Mich sorgt nicht so sehr, dass es in Deutschland zu Bildern kommen könnte, wie man sie in den 1990er Jahren gesehen hat. Damals suchte die Europäische Schweinepest das Land heim und Tausende Schweine wurden aufgrund der staatlich vorgegebenen Bekämpfungsmaßnahmen getötet. Mich sorgt auch nicht, dass das Virus Deutschland unvorbereitet getroffen hätte. Im Gegenteil. Seit Jahren wurde mit dem gerechnet, was Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Donnerstagvormittag der Vorwoche bestätigt hat: Dass der zuvor im Brandenburger Landkreis Spree-Neiße, 7 km von der Grenze zu Polen entfernt gefundene Kadaver eines Wildschweins mit dem ASP-Virus infiziert war. Seit 2007 breitet sich das Virus von Georgien kommend aus, manchmal schneller, manchmal langsamer, aber immer weiter gen Westen. 2014 ist es in Polen angekommen. Immerhin hat es gut sechs Jahre gedauert, bis es von dort mit einem Wildschwein nach Deutschland gekommen ist. Bis Redaktionsschluss blieb das der einzige bestätigte Fall im Bundesgebiet. Und das, obwohl intensiv nach weiteren gefallenen Tieren gesucht wird. Und das, obwohl der Kadaver schon weitgehend verwest war, was die Befürchtungen einer unbemerkten weiteren Verbreitung befeuert hat.

All diese Feststellungen sollen die Gefahr nicht herunterspielen. Sie sollen vielmehr unterstreichen, dass das, was bisher unternommen wurde, anscheinend nicht ganz wirkungslos war. Ich vertraue auch fest da­rauf, dass die Ernstfallvorbereitungen, die der Bund und das Land NRW seit Jahren betreiben und jetzt mit Hochdruck verfolgen, greifen werden und das Risiko entschärfen helfen. Die Notfallpläne sind nicht nur stapelweise bedrucktes Papier. Sie wurden – zumindest in NRW – immer wieder auf ihre Belastbarkeit hin geprüft und auch in der Praxis in Krisenübungen durchgespielt.

Ebenso sollte mittlerweile jeder schweinehaltende Betrieb um die Brisanz wissen und alle ihm möglichen Schutzmaßnahmen ergriffen haben. Unter dem Stichwort Biosicherheit sind die zumindest seit Jahren zur Genüge kommuniziert worden. Auch beim Thema Seucheneindämmung in der heimischen Schwarzwildpopulation sehe ich keinen Grund für Schwarzseherei. Sicher gibt es Unwägbarkeiten, weil sich die Wanderungsbewegungen der Wildschweine nie vollständig vorhersehen lassen. Trotzdem: Tschechien und Belgien haben 2017 mit einem rigorosen Vorgehen das Problem in den Griff bekommen, nachdem die ASP in den dortigen Populationen festgestellt worden war. Darauf hat auch Prof. Dr. Thomas Mettenleiter hingewiesen, der das Friedrich-Loeffler-Institut leitet, dem zum Bund gehörigen Forschungsinstitut für Tiergesundheit, an dem auch das Nationale Referenzzentrum für ASP angesiedelt ist. Warum soll eine Eindämmung in der Wildschweinpopulation durch konsequentes Vorgehen bei uns nicht genauso klappen wie in den Nachbarländern?

Weshalb habe ich also Sorgen wegen der Afrikanischen Schweinepest? Weil sie Wasser auf die Mühlen derjenigen ist, die der heimischen Tierhaltung sowieso ein baldiges Ende wünschen. Schon kurz nach der Bestätigung des ASP-Verdachts rollte die Welle los. Jetzt ginge es der Massentierhaltung endlich an den Kragen, die sei sowieso das größte Übel und Risiko für Mensch, Tier und Umwelt, wozu müsse Deutschland auch den Weltmarkt mit Schweinefleisch fluten, vegan sei sowieso die bessere Alternative und so weiter und so fort. Sie, liebe Leserinnen und Leser, kennen die Parolen. Seit Jahren. Unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt hinterlassen solch stete Tropfen ihre Spuren. Sie haben schon manche Kolleginnen und Kollegen mürbe gemacht und die Stalltür für immer schließen lassen. Doch was wäre gewonnen, wenn das liebste Fleisch der deutschen Verbraucher eines Tages von überall herkäme, nur nicht mehr aus Deutschland? Gewonnen wäre nichts, verloren dagegen viel. Allemal Tausende Arbeitsplätze in Land- und Fleischwirtschaft, aber noch wichtiger: genau das, was die Gesellschaft gerade eben einfordert – der Einfluss auf die Haltung von und den Umgang mit den Tieren. Eine Feststellung übrigens, die so ähnlich auch die sogenannte Borchert-Kommission getroffen hat. Die will bekanntlich mit einer Tierwohlabgabe die Nutztierhaltung im Land halten (siehe S. 12).


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