18.09.2019

Kommentar LZ Rheinland Nr. 38/2019 - Dichtung trifft Wahrheit

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

Was wäre wohl, würde sich jemand folgende Geschichte ausdenken? Freche Kobolde terrorisieren eine Schriftstellerin. Ihnen gefällt nämlich nicht, was die schreibt: Gedichte, die voller Hingabe sind und gegen Liebeskummer helfen. Doch dafür haben die Kobolde so gar nichts übrig. Sie reißen die Kabel aus dem Computer der Dichterin, beschmieren ihre Notizbücher, verhunzen ihre Reime zu derben Sprüchen und verteilen die überall auf Flugblättern. Kurz, sie machen die Dichterin vor allen madig, nur weil sie einen Groll hegen. So eine Geschichte kann nur erfunden sein, meinen Sie? Dichter, die über Liebeskummer hinweghelfen, verunglimpft doch niemand. Recht haben Sie. Nicht erfunden ist dagegen, dass aktuell niederrheinische Buchhandlungen ein Buch anbieten, in dem Kobolde einen Bauernhof sabotieren. Darin fallen Sätze wie „Wir machen sie fertig, diese überflüssigen Zweibeiner! Diese Bienentöter!“ oder „Nicht nur die Fäkalien sind schlimm, auch die darin enthaltenen Antibiotika, Nitrate und Hormone“. Deswegen manipulieren die kleinen Wichte einen Schieber am Güllewagen. Das soll den Bauern (ein als offensichtlich überfordert geschilderter Junglandwirt, den schließlich eine Umwelt-Aktivistin auf den rechten Weg führen will) vom Hof vertreiben. Aber die Gülle fließt auch in einen Fluss, wo die Aktivistin dem Bauern zeigen will, „wie viel Schaden Ihre Drecksgülle anrichtet“.

LZ-Informationen zufolge sollte das Buch, das von einer Fantasy-Autorin vom Niederrhein stammt und den Titel „Güllealarm“ trägt, auch an einer Grundschule im Kreis Viersen eingesetzt werden. Auf eine schriftliche Anfrage der LZ wollte sich die Schule nicht weiter dazu äußern. Wir meinen: Böswilliger als dieses Buch geht es fast nicht; mit schriftstellerischer Freiheit hat das wenig zu tun, aber viel mit einem durchsichtigen Versuch, Ideologie und billigste Klischees auf Kosten einer ganzen Berufsgruppe zu verbreiten. Statt darauf reinzufallen, sind Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Bildungsauftrag ernst nehmen, besser beraten, sich mit den Schülern selbst auf ortsansässigen Bauernhöfen ein Bild zu machen, wie es dort zugeht und dass verantwortungsvolle, gut ausgebildete Menschen Sorge für Tier und Umwelt tragen. ds


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