20.09.2017

Kommentar LZ Rheinland Nr. 38/2017 - Willkommen im Markt

Jetzt wird es auch bei der Rübe ernst. Eine Kampagne unter völlig neuen Rahmenbedingungen und mit unbekannten Erlösen für die Landwirte hat begonnen.

Natascha Kreuzer

Viele Anbauer erinnern sich mit Wehmut an die Zeiten, als die Zuckerrübe eine feste Größe war. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Bereits vor der letzten Reform der Zuckermarktordnung 2006 wurde viel diskutiert und allen war klar: Besser wird es nicht und sicherer auch nicht. Pessimisten sahen schon das Ende des Rübenanbaus gekommen.

Die aktuelle Reform beschert den Rübenanbauern jetzt einen Anbau ohne Quote und Rübenmindestpreis. Willkommen im freien Markt. Doch ganz so frei geht es bei der Rübe dann doch nicht zu. Die Anbauerverbände erhielten das Mandat, mit den Zuckerfabriken Verträge auszuhandeln. Und verhandelt wurde lange und intensiv. Und auch in dieser Zeit wurden Stimmen laut, die die Konkurrenzfähigkeit der Rübe gegenüber Weizen, Raps und Co. in Frage stellten. Würde Pfeifer & Langen genug zahlen, damit die Bauern den Spaß am Rübenanbau behalten? Von Seiten der Zuckerfabriken aus Deutschland, aber auch aus anderen EU-Ländern, kamen ganz andere Töne. Man wolle mehr heimischen Zucker produzieren und plane, mehr Rüben zu verarbeiten als bisher. Doch zu welchem Preis?

Nach langen und zähen Verhandlungen, die sich über 18 Monate hinzogen, kam es zu einem Vertragsmodell, bei dem die Rübenlieferanten auf Basis der Zuckerverkaufserlöse von Pfeifer & Langen bezahlt werden. Ein Modell, dass die Risiken verteilt, da sind sich beide Seiten einig. Hier hat der Rheinische Rübenbauer-Verband Durchhaltevermögen bewiesen und für die Bauern viel erreicht. Die Landwirte hatten nun die Wahl zwischen ein- und dreijährigen Verträgen und zwei Preismodellen mit mehr oder weniger Marktrisiko.

Trotzdem war die Frage spannend, ob die Bauern bei der Rübe bleiben würden. Am Ende war das Ergebnis eindeutig: Die überwiegende Mehrheit hat sich für dreijährige Verträge entschieden und die Rübenmenge ist insgesamt um 20 % gestiegen, neue Anbauer sind dazugekommen. Damit haben sich die Betriebe mutig dem Wettbewerb gestellt. Viele wollen jetzt den Markt drei Jahre lang testen und dann weitersehen.

Doch der Himmel über dem Zuckermarkt ist nicht nur rosig. Alle Zuckerfabriken in Europa verarbeiten mehr Rüben und dieser Zucker will verkauft werden. Das bedeutet zwangsläufig mehr Wettbewerb. Mehr Wettbewerb bedeutet auch einen schwankenden Zuckerpreis. Die Einflüsse auf dem Weltmarkt sind vielfältig. Das Klima spielt eine große Rolle und entscheidet mit, ob wichtige Zuckererzeuger zum Importeur oder zum Exporteur von Zucker werden. Vermutlich wird es in Zukunft auch bei der Rübe schlechte Jahre geben. Viele rheinische Bauern kennen das aus dem Kartoffelgeschäft und haben notgedrungen gelernt, schlechte Jahre mit guten zu verrechnen.

In Deutschland stellt sich die Frage, ob die sogenannten Ernährungsexperten dem Zucker das Leben schwer machen können. Immer häufiger hört man, Zucker sei ungesund und wir würden zu viel davon essen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Stimmungsmache nur eine kleine Verbrauchergruppe beeinflusst oder die Stimmung kippt. Hier ist wirklich jeder gefordert, klarzustellen, dass Zucker, in vernünftigen Maßen konsumiert, nicht schädlich ist und zu einer abwechslungsreichen und leckeren Ernährung einfach dazugehört. Ohne schlechtes Gewissen!

Die Chancen für die Rüben stehen im Rheinland nicht schlecht. Die Böden sind gut, das Wetter meistens auch und die Anbauer sind erfahrene Profis. Wenn sich der Anbau im Rheinland nicht mehr lohnt, haben viele andere Regionen in Europa schon vorher aufgegeben.

Großes hat auch die Rübenzüchtung geleistet. Wurde vor 15 Jahren noch diskutiert, warum die Rübenerträge im Rheinland nicht so steigen, wie in anderen Regionen, ist davon nichts mehr zu hören. Die gegen Nematoden und Krankheiten resistenten Sorten sind ein Segen für den Rübenanbau und haben viel zu den guten Erträgen der letzten Jahre beigetragen. Und wie oft schon war die Saat zu spät, das Wetter zu trocken oder zu kalt und am Ende des Sommers hat die Rübe dann doch unerwartet gute Erträge geliefert – so wie in diesem Jahr. Wenn Erträge und Verkaufserlöse stimmen, wird die Rübe noch lange auf rheinischen Äckern wachsen.


LZ Rheinland Nr. 49/2017

Gartenbau Profi Nr. 12/2017

Spargel & Erdbeerprofi Nr. 05/2017

Rheinlands Reiter+Pferde 12/2017