05.08.2020

Kommentar LZ Rheinland Nr. 32/2020 - Wie das Virus, so der Wolf

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

Mit dem Wolf verhält es sich ähnlich wie mit dem Coronavirus. Er kennt keine Grenzen. Wenn man ihm keinen Einhalt gebietet, verbreitet er sich immer weiter. Und dass wir ihn jemals wieder loswerden, daran dürfte kaum zu denken sein.

Es heißt ja so schön: Aller guten Dinge sind drei. Doch ich kenne niemanden, der es wirklich schön finden dürfte, wenn das Rheinland demnächst sein drittes Wolfsgebiet bekommt. Nach Schermbeck am Niederrhein und der Region Eifel-Venn wird wohl bald auch das bisherige Wolfsverdachtsgebiet Oberbergisches Land als solches eingestuft werden. Der Grund: Wo Wolfsnachwuchs nachgewiesen werden kann, wie kürzlich in der Gegend um Eitorf, lässt sich die Auffassung, es handele sich bei Sichtungen nur um durchwandernde Tiere, schwer aufrechterhalten. Nachwuchs bedeutet eben, hier müssen mehrere Tiere ansässig sein. Und es bedeutet auch den Beginn einer möglichen Rudelbildung.

Beides erhöht die Gefährdungslage. Auf Verwaltungsebene ändert sich mit der Umstufung für Antragsberechtigte wenig. Schon wer in einem Verdachtsgebiet oder einer Pufferzone ansässig ist, kann Fördermittel für die Verbesserung des Herdenschutzes mittels Zäunen beantragen. Im Wolfsgebiet kommt eine Förderung für Schutzhunde hinzu. Wie bei Zäunen erstattet das Land allerdings auch hier nur Anschaffungskosten, gibt aber keinen Cent zu den Folgekosten dazu – weder zu den Arbeitskosten für Errichtung und Pflege von Zäunen noch zu Futter- oder Tierarztkosten für Schutzhunde. Besser als nichts ist die Förderung trotzdem, weil an die Schutzmaßnahmen die Entschädigung im Fall von Wolfsrissen geknüpft ist, vorausgesetzt, die Förderung wurde nach Ausweisung eines Wolfsgebiets innerhalb eines halben Jahres beantragt. Ob Pufferzone, Verdachtsgebiet oder Wolfsgebiet: Daran, dass Schutz eben nicht mehr bedeutet als eine Senkung des Risikos von Angriffen, nicht jedoch die verlässliche Verhinderung von Rissen, ändert die Einstufung nichts.

Das ist aus Regionen hinlänglich bekannt, wo der Wolf schon länger als in NRW und in größeren Stückzahlen wieder durchs Land streift. Zum Beispiel aus Niedersachsen. Dort sind mittlerweile nicht nur Risse von Schafen nachgewiesen, auch Kälber hat es schon erwischt. Kürzlich wurden zwei Pferde getötet, ein drittes schwer verletzt. Problemwölfe werden dort nicht nur politisch, sondern auch juristisch als das gesehen, was sie sind: Problematisch, weil sie Schutzmaßnahmen zu überwinden gelernt und wiederholt Tiere gerissen haben. Trotz Morddrohungen hatte deswegen der zuständige Umweltminister Olaf Lies eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung eines Wolfs aufrechterhalten, der just dem Rudel zugerechnet wird, das für die erwähnten Pferderisse verantwortlich gemacht wird. Auch die Gerichte – zuletzt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Juni – bestätigten befristete Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss zweier Wölfe mit dem Verweis da­rauf, dass die betreffenden Tiere nachweislich Zäune übersprungen hätten und auch Herdenschutzhunde keine geeigneten Alternativen seien. Ob das Verwaltungsgericht Düsseldorf im Fall der Wölfin Gloria zu einer ähnlichen Einschätzung kommen wird, bleibt abzuwarten. Wie kurz vor Redaktionsschluss bekannt wurde, hat nämlich ein Schäfer eine Klage eingereicht. Mit dieser geht er dagegen vor, dass der Kreis Wesel einen Antrag auf Entnahme der Wölfin abgelehnt hat.

Sicher ist die Situation in NRW, was Anzahl der Tiere und Wolfsrudel sowie deren Verbreitung oder die Besiedlungsdichte angeht, nicht mit Niedersachsen vergleichbar. Aber auch dort hat es mit einzelnen Exemplaren angefangen, die eingewandert waren. Auch die Wölfe an Niederrhein, im Bergischen Land oder in der Eifel sind Zuwanderer, denen politische und Verwaltungsgrenzen egal sind. Sie sind zudem lern- und anpassungsfähig. Sie nutzen die Gelegenheiten zu einfacher Beute. Ich sehe durchaus Parallelen zur Corona-Pandemie. Zwar wird der Wolf nie die Vermehrungsrate wie das Virus erreichen. Aber mit schätzungsweise 1 200 bis 1 800 erwachsenen Tieren und mehr als 100 Rudeln hat er in Deutschland bereits eine staatliche Populationsgröße. Wie das Virus kennt der Wolf keine Grenzen. Genauso kann eine Begegnung für das Lebewesen tödlich enden, das er angreift. Wie beim Virus mühen sich die Bundesländer um ein abgestimmtes Vorgehen, um doch individuelle Wege zu gehen. Und wie bei Covid-19 gibt es Bevölkerungsgruppen, denen die Gefahr nie akut begegnet ist und sie deswegen leugnen. Beim Wolf wie beim Coronavirus wäre also der beste Rat: Schutz ist gut, aber Begegnungen zu verhindern, wäre noch viel besser. Darauf hoffen kann man aber leider in beiden Fällen nicht. Virus und Wolf dürften uns erhalten bleiben.


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