03.08.2021

Kommentar LZ Rheinland Nr. 31/2021 - Dual, digital, phänomenal

Andrea Hornfischer

Jetzt am 1. August starteten wieder viele junge Menschen ihre landwirtschaftliche Ausbildung. Ist die Ausbildung noch zeitgemäß und was sind die Herausforderungen für die landwirtschaftliche berufliche Bildung? Schließlich wird mit der Ausbildung die Basis für eine zukunftsfähige Landwirtschaft gelegt.

Die Mischung macht`s: Die landwirtschaftliche Ausbildung in NRW hat sich gerade in der Corona-Zeit bewährt. Seit jeher lernen die Azubis in einem dualen System, sprich, sie sammeln Praxiserfahrungen im Betrieb und lernen die Theorie in der Berufsschule. Dabei haben die Berufsschulen der Landwirtschaftskammer NRW gezeigt, dass sie auch „digital können“. So wurden viele verschiedene Lerninhalte online angeboten, wie das Abrufen von Inhalten durch Online-Plattformen, Smart Boards, Videokonferenzen und kurze Filme – oft von den Azubis zu bestimmten Fragestellungen, die für alle Schülerinnen und Schüler relevant sind, selbst gedreht. Die Corona-Zeit hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Digitalisierung in der Ausbildung weiter zu fördern. Denn so können die angehenden Landwirtinnen und Landwirte orts- und zeit-unabhängig lernen und trotzdem ihrer Arbeit im Ausbildungsbetrieb nachgehen. Das ist gerade in einem wetterabhängigen und zeitintensiven Beruf wie dem des Landwirts sehr, sehr nützlich.

Die Ausbildung in der Landwirtschaft ist seit jeher als breite Grundausbildung angelegt: Junge Menschen sollen lernen, selbst einen Betrieb zu führen, und erwerben dazu alle „fachlichen, methodischen und persönlich-sozialen Kompetenzen“ (siehe Interview auf S. 14). In den vergangenen Jahrzehnten ging der Trend jedoch immer mehr zur Spezialisierung der Betriebe auf der einen Seite – nur noch eine Tierart oder wenige Acker- und Sonderkulturen; auf der anderen Seite verbreitete sich die Diversifizierung. Um das Einkommensrisiko zu streuen, bauten sich rund 2 000 Betriebe im Rheinland eine professionelle Direktvermarktung mit Hofladen, Hofcafé oder Urlaub auf dem Bauernhof als zusätzliches Standbein auf.

Hier kommt das Stichwort Kommunikation ins Spiel. Der Kontakt zum Kunden hat nicht nur bei Landwirten mit Direktvermarktung zugenommen. Bei immer größer werdenden Betrieben wird das Thema Mitarbeiterführung an Bedeutung gewinnen. Während noch vor 20 Jahren kaum jemand Wert auf eine professionelle Gesprächsführung, Maßnahmen zum Team-building, Jahresgespräche, Motivationsgespräche und vieles mehr gelegt hat, ist dies nun maßgeblich, um gute Mitarbeiter zu finden und zu binden. Dazu ist eine starke Kommunikationskompetenz bei Betriebsleitern unbedingt erforderlich, die auch bereits in der landwirtschaftlichen Ausbildung gelehrt werden sollte.

Apropos Kommunikationskompetenz – die ist noch an anderer Stelle gefragt: Denn Landwirte müssen sich immer mehr gegenüber Verbrauchern erklären. Seit Jahren berichten viele Medien häufig sehr kritisch, oft auch einseitig oder skandalös über Landwirtschaft. Allzu oft wird man von Nichtlandwirten gefragt, ob das denn wirklich stimme mit der „Massentierhaltung, den Pestiziden und den viel zu hohen Güllemengen“. Darauf muss man Antworten haben, wenn man sich auch weiter in seinem Traumberuf gut fühlen möchte.

Bei einer breiten Grundausbildung ist es wichtig, dass trotz festen Lehrplans auch aktuelle Themen spontan aufgegriffen werden können. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen mit all ihren politischen Entscheidungen zu Tierwohl, Umweltschutz und Klimawandel erfordern kurzfristige Fortbildungen. Daher sollte es auch nach oder während der Grundausbildung die Möglichkeit geben, aktuelle Weiterbildungen zu nutzen. Das macht der vor vielen Jahren eingeführte „Sachkundenachweis Pflanzenschutz“ deutlich. Zünftig könnten Themen wie Naturschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen, Humuserhalt und klimafreundliches Wirtschaften eine große Rolle spielen.

Was wird sich in Zukunft noch in der landwirtschaftlichen Ausbildung verändern? Ein Blick auf die Zahlen hilft: In der Berufsschule kommen knapp 50 % nicht vom Hof, wie die Zahlen der Landwirtschaftskammer NRW zeigen (siehe S. 15). Diese jungen Menschen lassen sich später als Arbeitskraft auf einem Betrieb anstellen, finden etwas in den vor- und nachgelagerten Bereichen oder übernehmen einen fremden Hof. Das Thema außerfamiliäre Hofübergabe wird die Agrarbranche also auch in Zukunft begleiten, zumal knapp 40 % der Betriebsleiter älter als 55 Jahre alt sind und viele keinen Hofnachfolger haben. Ein weiteres Problem ist, dass viele gerne einen Hof übernehmen wollen, ihnen aber Steine in den Weg gelegt werden, sei es durch schlechte Preise und Erlöse oder durch immer höher werdende Auflagen von Politik, Verarbeitern und Handel.

Halten wir fest: Die Ausbildung ist gut, die Jobaussichten sind ebenso attraktiv! Die Chancen für einen landwirtschaftlichen Azubi stehen gut, mit der landwirtschaftlichen Ausbildung als Grundstein seine Zukunft im Traumberuf zu finden.


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