02.08.2017

Kommentar LZ Rheinland Nr. 31/2017 - Noch nicht alles in Butter

Es geht aufwärts. Die Milcherzeuger können sich wieder über gute Preise freuen und die lange Durststrecke der niedrigen Milchpreise scheint vorbei. Aber Molkereien und Milcherzeuger sind dennoch gefordert. Auf die nächste Krise müssen sie besser vorbereitet sein.

Dr. Ellisabeth Legge

Für die Milcherzeuger ist das vergangene Jahr wenig erfreulich verlaufen. Der AMI-Milchpreisvergleich ab S. 45 in dieser Ausgabe zeigt es schwarz auf weiß: Der durchschnittliche Auszahlungspreis der Molkereien im Bundesgebiet lag im vergangenen Jahr gerade einmal bei 26,8 Cent/kg Milch. Die deutschen Milchviehhalter mussten damit den Gürtel nochmals etwas enger schnallen und im Vergleich zum bereits unbefriedigenden Jahr 2015 einen Rückgang der Preise um 2,6 Cent verkraften. Das war hart. Die Milcherzeuger waren mit dem längsten Preisrückgang seit 20 Jahren konfrontiert. Abgesehen von einigen Monaten hielt diese Krise, die den Fortbestand der Milchviehhaltung in nicht wenigen Betrieben substanziell gefährdet hat, über zweieinhalb Jahre an. Eine lange Durststrecke für die Milcherzeuger.

Und diese ist nicht ohne Folgen geblieben. Mancher Milcherzeuger hat sich von seinen Kühen verabschiedet und die Milcherzeugung ganz eingestellt. So ist bundesweit die Zahl der Milcherzeuger von Mai 2016 bis Mai 2017 um 5,6 % zurückgegangen. In NRW war der Strukturwandel mit – 8 % sogar besonders groß.

Inzwischen gibt es wieder Licht am Milchhorizont. Seit Mitte vergangenen Jahres hat sich das Blatt für die Milcherzeuger gewendet. Die Milch wurde knapp und die Milchpreise zogen an. Und glaubt man den Experten, dann dürfte diese Entwicklung auch noch weitergehen. Zurzeit liegen die Milchpreise bei etwa 33 Cent/kg Milch. Zum Jahresende werden Preise von 37 und 38 Cent erwartet. Allerdings ist diese Preissteigerung nach den beiden vergangenen Jahren auch bitter nötig. Die Phase mit den Niedrigstpreisen für die Milch ist noch nicht verdaut. Sie hat deutliche Finanzlücken in den Betrieben hinterlassen. Sie müssen nun die aufgezehrten Finanzpolster wieder auffüllen und gleichzeitig aufgeschobene Investitionen nachholen. Theoretisch brauchen die Milcherzeuger erst einmal gut zwei Jahre lang wieder Höchstpreise, um ihre wirtschaftlichen Verluste auszugleichen. Noch ist jedenfalls nicht alles in Butter auf den Betrieben.

Und was für Lehren zieht man aus der langen Preismisere? Die Molkereien jedenfalls haben hierauf reagiert, aber recht unterschiedlich. Bestes Beispiel ist das Deutsche Milchkontor (DMK). Die große Kündigungswelle der Milcherzeuger endete hier in Standortschließungen und dem Versuch, ein Restrukturierungsprogramm auf den Weg zu bringen. FrieslandCampina setzt weiterhin auf eine höhere Wertschöpfung seiner Produkte. Der deutsch-niederländische Konzern ist mit dieser Strategie bislang gut gefahren. Unangefochten steht FrieslandCampina beim Milchpreisvergleich an der Spitze – und das zum achten Mal in Folge. Auch Hochwald will sich zukünftig krisenfester aufstellen und setzt hierzu auf das neue Strategiekonzept „Hochwald 2020“. Es soll das Unternehmen unabhängiger von einzelnen Märkten und weniger anfällig gegenüber Volatilitäten und Krisen des Weltmilchmarktes machen. Vorgesehen ist ein sogenannter Drittelmix: Ein Drittel der Milch soll in die weiße Linie fließen, ein Drittel zu Käse verarbeitet werden und ein Drittel der Milch soll an die internationalen Märkte gebracht werden. Und Arla Deutschland geht konsequent in Richtung Markenausbau und ist aus wichtigen und unrentablen Handelsmarken-Verträgen ausgestiegen.

Auf der jetzigen Markterholung darf sich die Milchbranche jedenfalls nicht ausruhen. Sie muss vielmehr die festgestellten Probleme entschlossener als bisher angehen. Teil einer Problemlösung könnten auch Terminbörsen sein. Sie können helfen, durch Absicherung zumindest von Teilmengen zukünftige Preistäler besser zu überbrücken. Ziel muss es jedenfalls zukünftig sein, extreme Preisausschläge nach unten zu vermeiden. Das Thema Lieferbeziehungen im Krisenfall muss dazu endlich angegangen werden – notfalls auch durch zeitweise Bonuszahlungen zur Mengenanpassung oder eine verwertungsbezogene Preisstaffelung. Eines ist sicher: Die Politik wird nicht immer wieder Geld zur Verfügung stellen, um die Auswirkungen von Preistälern abzumildern. Und auch an der Billigpreis-Strategie des Handels dürfte sich künftig nichts ändern. Dabei steht sie ganz klar im Widerspruch zu dem klaren Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit und Regionalität. Daran ändern auch die derzeit hohen Butterpreise nichts.

Der Milchmarkt ist und bleibt ein volatiler Markt. Und darauf müssen sich Molkereien und Milcherzeuger einstellen. Das gilt gerade in Phasen mit guten Milchpreisen!


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