28.07.2021

Kommentar LZ Rheinland Nr. 30/2021 - Die Dinge schnell anpacken

Dr. Elisabeth Legge

Unfassbar ist nach wie vor das Ausmaß an Zerstörung, das die Hochwasserkatastrophe ausgelöst hat. Viele Menschen stehen vor den Scherben ihrer Existenz. Auch in der Landwirtschaft hat die Flut Schäden hinterlassen. Hilfen, aber auch das Aufarbeiten von Fehlentscheidungen der Vergangenheit sind jetzt angesagt.

Seit Mitte Juli ist es das Thema Nr. 1 in den Medien und dürfte es auch noch bleiben: die große Hochwasserkatastrophe, die unter anderem den Südwesten Deutschlands traf. Auch unsere Zeitschrift schenkt in dieser Woche dem Thema Hochwasser und seinen Folgen großen Raum. Wir haben uns auf einigen Betrieben umgehört und nachgefragt, wie es den Betroffenen eine Woche nach der Flut geht. Wenn auch auf vielen überfluteten Höfen schon weitgehend aufgeräumt ist und allein durch die Ernte Alltag eingekehrt ist, der Schock über das Erlebte sitzt bei den Betroffenen tief. „Es war einfach nur schlimm“, meinte ein Betriebsleiterehepaar. „So etwas möchten wir nie wieder erleben.“ Aber bei den betroffenen Familien ist auch eine große Dankbarkeit zu spüren, Dankbarkeit über die enorme Hilfsbereitschaft, die sie erleben durften.

In jedem Fall hat das Hochwasser auch in der Landwirtschaft in NRW viel Schaden angerichtet. Die Zahlen beweisen es. Nach einer ersten Bilanz der Landwirtschaftskammer NRW waren bis zu 100 Höfe ganz oder teilweise überflutet und bis zu 15 000 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche überschwemmt. Neben Ernteverlusten traten Schäden an Wirtschaftsgebäuden, Maschinen, Futtervorräten und auch Tierverluste auf. Bei vielen Kulturen, die regelrecht im Wasser standen, stellt sich zudem die Frage, ob sie überhaupt vermarktungsfähig sind und ob der verdreckte Grünlandaufwuchs wirklich genutzt werden kann.

Entschädigungen des Landes für die Hochwasserschäden sind angekündigt. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Politik auch schnell festlegt, was und in welchem Umfang entschädigt wird. Die Landwirte müssen das wissen, um planen zu können und um Gespräche mit der Bank für den Wiederaufbau ihrer Betriebe führen zu können.

Auch die angekündigten Soforthilfen für die Landwirtschaft müssen jetzt fließen. 400 Mio. € sind auf den Weg gebracht. Die Hälfte hiervon will der Bund übernehmen, die andere Hälfte die Länder. Aber dabei muss die beschlossene Soforthilfe auch wirklich ihrem Namen gerecht werden. Sie muss einfach und ohne langen bürokratischen Aufwand fließen, sprich möglichst sofort. Für die Politik heißt das: Sie muss jetzt Flagge zeigen. Die angekündigte Soforthilfe für die betroffenen Betriebe ist ein wichtiger erster Schritt.

Aber damit ist es noch nicht getan. Die jüngste Hochwasserkatastrophe hat gezeigt, dass auch das Thema Versicherung vor Flut- und Unwetterschäden angepackt werden muss, und zwar dringend. Bei vielen Landwirten – genau wie bei anderen noch viel schlimmer Betroffenen dieses extremen Wetterereignisses – besteht kein ausreichender Versicherungsschutz. Gegen Überflutung können wir uns nicht versichern. Zwar gibt es in Deutschland Mehrgefahrenversicherungen in der Landwirtschaft. Diese sind jedoch sehr teuer und können von den Betrieben finanziell nicht allein gestemmt werden. An einer Versicherungslösung für Wetterextreme mit staatlicher Unterstützung geht künftig kein Weg vorbei. Andere Länder wie die Niederlande oder Österreich praktizieren dies bereits. Die Politik hat sich das Ziel Ernährungssicherung auf ihre Fahnen geschrieben, dann muss sie Landwirte und ihre Familien auch unterstützen bei der Absicherung nicht selbst verschuldeter Risiken. Diese Unterstützung wird auch Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen EU-Mitgliedstaaten ausgleichen. Die jetzt anstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik bietet eine einmalige Chance, solche Mehrgefahrenversicherungen als Teil der Klimafolgenanpassung endlich zu realisieren.

Die jüngste Katastrophe hat uns darüber hi­naus vor Augen geführt: Man muss jetzt Fehlentwicklungen der Vergangenheit korrigieren und dringend anpacken. Außer Frage steht, dass bei Infrastrukturmaßnahmen künftig mehr die klimatischen Folgen beachtet werden müssen. Die Landwirtschaft weist bereits seit Jahren immer wieder da­rauf hin, dass der Flächenverbrauch, sprich die Versiegelung von Flächen, einfach zu hoch ist. Da ist ein Umdenken dringend erforderlich. Die durch Unwetter verursachten Wassermassen, die nicht versickern können, sind unter anderem ein Auslöser der Katastrophen, die leider inzwischen gehäuft auftreten. Anpacken ist angesagt und hier ist die Politik gefordert, damit wir solch große Katastrophen wie Mitte dieses Monats nicht mehr erleben. Das wäre allen zu wünschen.


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