25.07.2018

Kommentar LZ Rheinland Nr. 30/2018 - Besser als erwartet

Im vergangenen Jahr zogen die Milchpreise kräftig an. Und auch die Aussichten für die nächsten Monate sind nicht schlecht. Die Milchbranche ist aber nach wie vor gefordert und darf sich nicht auf dem Status quo ausruhen.

Es hat sich einiges getan beim Milchpreis. Die Milchbauern haben es bemerkt. Das Jahr 2017 hat ihnen einen guten Milchpreis beschert. Endlich, werden viele sagen. Nach zwei Jahren mit miserablen Preisen sei dies auch bitter nötig gewesen. Der Milchpreis hat sich spürbar erholt. Der AMI-Milchpreisvergleich ab Seite 43 in dieser Ausgabe beweist es. Für die Milcherzeuger in Nordrhein-Westfalen legte der Milchpreis um 9,2 Cent auf 35,62 Cent/kg zu. Das war der bislang stärkste Anstieg innerhalb eines Jahres. Ein echtes Phänomen gab es auch: Die Butterpreise erreichten ein Allzeithoch.

Und in Sachen Milchmarkt sieht es bis auf weiteres auch weiterhin gar nicht so schlecht aus. Die Preise haben sich in den ersten Monaten dieses Jahres besser gehalten, als noch Ende vergangenen Jahres befürchtet. So lag der durchschnittliche Erzeugerpreis für konventionelle Standardmilch von Januar bis April in Nordrhein-Westfalen bei 32,93 Cent/kg, das waren 0,3 Cent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die AMI-Milchexperten gehen davon aus, dass die Milchpreise in der zweiten Jahreshälfte noch zulegen können, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Außerdem ist und bleibt Milch am Weltmarkt gefragt. Die Branche geht unter anderem von Importzuwächsen in China aus. Also keine schlechten Aussichten.

Im Moment herrscht daher eher Ruhe an der Milchfront. Aber  es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen. Milcherzeuger und Molkereien sind weiterhin gefordert. Denn es ist und bleibt eine Binsenweisheit: Nach jedem Hoch folgt ein Tief. Und hierauf gilt es vorbereitet zu sein. Aktuelles Beispiel hierfür ist FrieslandCampina, die Molkerei, die auch im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen wieder einmal den Spitzenreiter beim Milchpreis darstellte. FrieslandCampina ist im Gespräch mit seinen Mitgliedern, um ab 2019 ein mengenbezogenes Bezahlsystem einzuführen und ein marktgerechteres Wachstum der Milcherzeugung sicherzustellen – ähnlich einem A/B-Modell. Die Molkerei bereitet sich also auf mögliche Marktschwankungen vor und versucht, Vorsorge zu treffen, dass diese die Betriebe nicht so stark treffen. Positiv ist in jedem Fall dabei sicher, dass das Unternehmen seine Mitglieder mitnimmt und zur Diskussion einlädt. Hiervon lebt eine Genossenschaft. Ein anderes Beispiel ist die Molkerei Hochwald. Das Unternehmen will ab Ende dieses Jahres seinen Mitgliedern ein Festpreismodell für Teilmengen anbieten und damit dem Wunsch vieler Mitglieder nachkommen, den Milchpreis stärker absichern zu können.

Auch die Milchwirtschaft lebt – wie jede andere Branche – vom Wandel. Ein Festhalten am Status quo dürfte in den wenigsten Fällen gerechtfertigt sein, wenn man weiterhin in der Spitze beim Erzeugerpreis mitmischen will.

Die Preise sind das eine Thema, die Kosten sind das andere große Thema für die Milcherzeuger. Viele Kosten sind durch die Gesetzgebung vorgegeben – Stichwort: neue Düngeverordnung und JGS-Anlagenverordnung. Manche Kostenbelastung liegt aber auch in der Hand der Betriebe. Dennoch sind dem Drehen an der Kostenschraube Grenzen gesetzt, wie eine Betriebsauswertung der Landwirtschaftskammer NRW ergab. Alleine die unterschiedlichen regionalen Standorte der Milcherzeugung sind letztlich mit Preisunterschieden von mehreren Cent/kg Milch verbunden. Dies macht unverändert deutlich, wie wichtig Direktzahlungen aus der Ersten, aber auch die Mittel aus der Zweiten Säule beispielsweise für Betriebe in benachteiligten Gebieten sind.

Und was viele Tierhalter bewegt, ist nach wie vor die hohe Belastung durch Dokumentations- und Antragsauflagen. Der Bürokratieabbau wird von vielen Politikern  – egal welcher Couleur – zwar immer wieder gepredigt, die Realität sieht allerdings anders aus. Aktuelles Beispiel ist die neue Listenführung bei vorübergehender Stallhaltung, wenn die Betriebe an der Fördermaßnahme „Weidehaltung“ teilnehmen. Aber manchmal kommt es anders als befürchtet: Nachdem zahlreiche Milcherzeuger gegen die damit verbundene enorme Dokumentationspflicht gewettert haben, signalisierte das zuständige NRW-Landwirtschaftsministerium inzwischen Entgegenkommen. Nicht nur beim Bürokratieabbau heißt es daher, weiter dicke Bretter bohren. Es lohnt sich!


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