26.07.2017

Kommentar LZ Rheinland Nr. 30/2017 - Es hat sich was getan

Das große Engagement der Bauern trägt Früchte. Jeder Schulbesuch auf dem Hof lohnt sich. Das belegt jetzt die Studie „Fokus Naturbildung“.

Andrea Hornfischer

„Kühe haben elf Zitzen“ und „Hühner legen drei Eier am Tag“ – das waren die Antworten des i.m.a-Jugendreportes vor sieben Jahren. Kindern und Jugendlichen wurde eine erschreckende Naturvergessenheit bescheinigt. Das hat sich jetzt ganz deutlich geändert, wie die neue Studie „Fokus Naturbildung“ zeigt. Lesen Sie dazu den Bericht auf S. 10.

Obwohl die „Generation Selfie“ von viel Technik, Medien und ständigem online sein geprägt ist, will sie die Natur und die Landwirtschaft entdecken – am besten mit den eigenen Händen. Selber mit anpacken, mal ein paar Kartoffeln ernten, einen Stall ausmisten und eine Kuh füttern – das kommt am besten an.

Und so haben sich auch die pädagogischen Konzepte für einen Hofbesuch verändert: In den vergangenen Jahren hat man das Lernen an verschiedenen Stationen eingeführt, das laut der Studie sehr gut ankommt und genau diesen Bedürfnissen gerecht wird.

Mit der Natur und der Landwirtschaft verbinden Jugendliche positive Werte. An der Natur schätzen sie die Stille, frische Luft, Freiheit und Abenteuer. Junge Menschen sehen die Natur als „Ausgleich zum Schulalltag“. Natur gehört für sie „zum guten Leben“ dazu. Wenn man das liest, hören sich die Jugendlichen beinahe ein bisschen an wie gestresste Erwachsene. Aber noch etwas wird auch offenbar: Viele gehen mit ihren Eltern oder Großeltern in die Natur. Wenn das Elternhaus also nicht dazu hinführt, fehlt die Bindung.

Kritiker werden sagen: Ja, aber das Wissen der Jugendlichen zur Natur und Landwirtschaft wurde ja gar nicht abgefragt. Das stimmt! Und vermutlich wäre das Wissen heute nicht größer. Aber mit einer bloßen Wissensabfrage kann man noch längst nicht herausfinden, welche Einstellung ein Kind oder ein Jugendlicher zur Natur und zur Landwirtschaft hat. Man erkennt nicht, ob sie die Natur schützen möchten, ob sie gerne in der Natur unterwegs sind, ob ihnen die heimische Landwirtschaft und regional erzeugte Lebensmittel etwas wert sind.

Man würde bloß wieder negative Schlüsse ziehen und missmutig behaupten: die Leute entfremden sich von der Natur und der Landwirtschaft, die Öffentlichkeitsarbeit bringt nichts. Aber das Gegenteil ist der Fall! Die Studie legt genau dar, dass die Jugendlichen am liebsten von Praktikern lernen möchten; sprich der Bauer soll den Hofrundgang machen und der Förster oder Jäger durch den Wald führen.

Im Rheinland packen viele mit an, wenn es um Schulbesuche geht: Im Schnitt haben rund 350 Schulklassen im Jahr 2016 rheinische Höfe besucht. Anfragen werden über den Verein Stadt und Land NRW koordiniert und gemeinsam mit den rheinischen Landwirten und vor allem auch den rheinischen Landfrauen umgesetzt. Einen Schulgarten und regelmäßigen Unterricht zum Gemüseanbau bietet die GemüseAckerdemie an. Auch die Molkereien bieten ihren Mitgliedern oft Unterstützung für Hofbesuche an.

Alle, die sich mit der Führung von Schulklassen engagiert haben und in Zukunft engagieren wollen, können sich jedenfalls sicher sein: Hofbesuche für Kinder und Jugendliche bringen etwas. Die Mühe der Bauern ist nicht umsonst! Die Kinder fühlen sich in der Natur wohl und finden es spannend, sie zu erforschen. Sie interessieren sich für die Arbeit der Bauern, Jäger und Förster, fühlen sich mit der Natur verbunden und finden es keineswegs „uncool“, sich in ihr aufzuhalten und zu betätigen. Die Einstellungen der nachfolgenden Generation zur Natur und zur Landwirtschaft sind sehr positiv.


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