02.07.2020

Kommentar LZ Rheinland Nr. 27/2020 - Was bleibt am Ende?

Der Tönnies-Corona-Skandal zieht weite Kreise – eine Schlagzeile jagt die nächste. Dabei geht es um Vertuschung, die Arbeitsbedingungen der Lohnarbeiter, aber auch das Produkt Fleisch an sich, dessen Herstellung und unser aller Konsum. Und die Landwirtschaft? Die gerät wieder mal mitten hinein in einen Strudel aus Diskussionen – und in ein Branchengespräch zum Thema Nutztierhaltung.

Was bleibt, ist ein Imageschaden für ein Produkt, das diesen nicht verdient hat. Marilena Kipp

Seit Jahren ist der Verzehr von Fleisch in Deutschland rückläufig. Bewegt man sich in gewissen Influencer- oder Bloggerwelten, hat man das Gefühl, Fleisch wird gar zur neuen Zigarette. Keine leichte Ausgangssituation für die gesamte Kette. Und nach Diskussionen rund um Ferkelkastration, Kükenschreddern oder Kastenständen jetzt auch noch das: Schlachthöfe als Corona-Hotspots. Das aktuelle Angstthema der Deutschen schlechthin. Keine Frage, die massenhaften Corona-Ausbrüche in Schlachtunternehmen sind äußerst kritisch zu sehen.

Immerhin leben wir mittlerweile mit einer Pandemie, die wir alle mit vereinten Kräften zurückdrängen und in Schach halten müssen. Solche großen Ausbrüche tun dann weh und sie haben für die betroffenen Regionen massive Folgen. Noch mehr schmerzt es, wenn die Ausbrüche Missstände aufdecken, beispielsweise die mangelhafte Unterbringung von Arbeitskräften. Das darf in einer Branche, die sowieso schon unter Beschuss steht, einfach nicht passieren. Denn was bleibt, ist ein Imageschaden für ein Produkt, das diesen nicht verdient hat. Mit dem Branchengespräch am vergangenen Freitag (siehe S. 11) reagierten die Ministerinnen Julia Klöckner, Barbara Otte-Kinast und Ursula Heinen-Esser schnell. Für manche verdächtig schnell, da in den Medien auch von einer „Show-Veranstaltung“ die Rede war.

Das Spannungsfeld, in dem sich die Diskussionen rund um die Fleischbranche bewegen, ist dabei fast schon nicht mehr zu ertragen. Verbraucher möchten gerne mehr Tierwohl, zeigen diesen Wunsch aber nicht beim Griff ins Kühlregal. Tierschützer möchten Schweine draußen oder auf Stroh sehen. Den Extremeren wäre es am liebsten, es gäbe gar keine Tierhaltung mehr. Landwirte möchten von ihrer Arbeit leben können und wünschen sich Planungssicherheit und Perspektiven. Sie haben Angst, dass Fleisch künftig aus dem Ausland kommt. Der Handel möchte verkaufen und haut jede Woche ein neues Super-Hackfleisch-Angebot raus. Schlachthöfe möchten Gewinn. Verbraucherschützer wollen Verbraucher schützen und gute Produkte im Laden haben.

Jetzt nehmen Sie all diese Meinungen und stecken sie in einen Raum, wo man drei Stunden lang diskutiert. Dass dabei nicht direkt bahnbrechende Entscheidungen he- ­r­auskommen, war zu erwarten. Mehr Tierwohl in Ställen, höhere Sozialstandards in Schlachtbetrieben, Preiswahrheit im Handel und verantwortungsvolle Verbraucherinnen und Verbraucher seien die Grundlage eines Neustarts im Fleischgeschäft. Ob der Appell an die Verbraucher fruchtet, dass man auch als Kunde an der Theke zu seinen Forderungen nach mehr Tierwohl stehen müsse? Es würde mich nicht wundern, wenn am vergangenen Wochenende die Nachfrage nach Grillfleisch aus dem Discounter ungebrochen hoch war.

Die drei Ministerinnen möchten zeigen, dass sie mutig vo-rangehen und das Thema in die Hand nehmen. Das müssen sie auch, denn nahezu jeder beäugt gerade kritisch die Thematik Fleisch. Nun bleibt abzuwarten, was tatsächlich kommt. Doch eins steht fest: Veränderungen müssen gut durchdacht und finanzierbar sein, die regionale Tierhaltung erhalten und alle Beteiligten in die Pflicht genommen werden. Denn mit diesem Statement hatte Julia Klöckner am vergangenen Freitag recht: Es wird keine zweite Chance für die Branche geben.


Neuerscheinung

LZ Rheinland Nr. 31/2020

Gartenbau Profi Nr. 07/2020

Spargel & Erdbeerprofi Nr. 03/2020

Rheinlands Reiter+Pferde Nr. 08/2020

All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish