03.07.2019

Kommentar LZ Rheinland Nr. 27/2019 - Was bleibt?

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

Bauernpräsident Rukwied sparte auf dem Bauerntag, der vergangene Woche im sächsischen Schkeuditz über die Bühne gegangen ist, in seiner Grundsatzrede kein Thema aus. Zu einem Ereignis, das die große Linie absteckt und Orientierung gibt, machte das die Veranstaltung nicht. Dass die Delegierten eher einen Bauerntag auf Sparflamme erlebten, hatte noch einen anderen Grund.

Der Deutsche Bauerntag im sächsischen Schkeuditz endete wie so viele vor ihm mit einer Pressekonferenz. Auf solchen Veranstaltungen wird gemeinhin versucht, so etwas wie ein Fazit zu ziehen. Das sollte im besten Fall das Kernthema griffig und einprägsam zusammenfassen. Und es sollte das formulieren, von dem die Veranstalter wollen, dass man es auch später noch mit dem Ereignis in Verbindung bringt.

Das könnte vielleicht auf einen Satz von Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), zutreffen. Der betonte: „Die GAP muss grüner werden, damit sie in Deutschland konsensfähig ist.“ Aber: Die Bauern müssten auch rote Linien ziehen, denn die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) dürfe nur so grün werden, dass die Bauern auch noch überleben könnten. Diese Position darf in engem Zusammenhang mit der Erklärung zur Artenvielfalt in der ­Agrarlandschaft gesehen werden, die das erweiterte Präsidium des DBV kurz vor dem Bauerntag verabschiedet hatte. Eine grünere GAP und mehr Biodiversität aus Bauernhand sind Versprechen an die Gesellschaft; aber sie sind auch eine Erwartung, die sich an die eigene Klientel, also die Bauern, richtet. Gerade deshalb verwundert es, dass dieser Erklärung auf dem eigentlichen Bauerntag kaum Raum eingeräumt und sie eher beiläufig publik gemacht wurde.

Tatsächlich hat Präsident Rukwied in seiner Grundsatzrede kaum ein Thema ausgelassen, das Bauern derzeit beschäftigt; jedes für sich, nachei­nan­der angesprochen und abgehakt. Aber die Fülle der Einzelthemen haben den roten Faden abgeschnitten. Eine große Linie ließ der Bauerntag auch an anderer Stelle nicht erkennen und nicht spüren. Dabei kamen viele Delegierte durchaus mit der Hoffnung nach Schkeuditz, Orientierung gebende Impulse zu bekommen. Impulse, an denen man sich reiben kann und die man im besten Fall gemeinsam erarbeitet. Raum dafür hätte es ausreichend gegeben. So hätten viele im Plenum zu der erwähnten Erklärung viel Kon­struktives beitragen können und wollen.

Damit ein Bauerntag unvergesslich wird, braucht es mehr als gutes Essen und Trinken, das Zusammentreffen und den Austausch mit Kollegen sowie politische Reden. Mindestens zwei weitere Elemente gehören dazu, die Schkeuditz vermissen ließ: ein mitreißender Programmpunkt, der jenseits aller Fakten und nüchternen Strategie die Delegierten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Einigkeit mit nach Hause nehmen lässt. Sowie ein Aspekt, der jeder demokratischen Institution ins Stammbuch geschrieben steht und der angesichts fortwährender Vorwürfe der Intransparenz wichtiger denn je ist: Mitgliederbeteiligung. Obwohl es nicht der satzungsgemäße Titel ist, verstehen die Delegierten des Deutschen Bauerntages diesen doch als oberstes Gremium, sozusagen als Bauernparlament. Dieses Jahr spielte dieses Parlament nur eine Nebenrolle und mancher fühlte sich als Statist. Denkt man an 2015, kennt man das auch anders und es stellt sich die Frage, wo der Geist von Erfurt geblieben ist. Damals hatten die Delegierten, teils unter hitzigen Diskussionen im Vorfeld und auch noch auf dem Bauerntag selbst, Positionen zum eigenen Selbstverständnis abgesteckt und am Ende mit überwältigender Zustimmung angenommen. Dieser Geist wurde beim Bauerntag 2019 ungezählte Male als Beleg für die Veränderungsbereitschaft der Bauern zitiert. Im Programm war er dagegen nicht vorgesehen. Dabei hätte man ihn leicht an der Erklärung zur Artenvielfalt aufleben lassen können, um so den Beweis für die Veränderungsbereitschaft der Landwirtschaft an Ort und Stelle anzutreten.

Deswegen verknüpft sich für mich vor allem ein Satz aus der Abschlusspressekonferenz mit dem Bauerntag 2019. Den formulierte Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel: „Wir gehen mit Dingen, die früher für uns Tabuthemen waren, viel offener um.“ Das tut dem Berufsstand in der öffentlichen Debatte gut. Besser täte ihm aber auch, wenn die Mitgliederbeteiligung und der Diskurs, die nötig sind, um die Vielfalt der Landwirtschaft auf eine Position zu verdichten, gelebt und ohne Tabus geführt werden können. Nicht nur in und von den Regionalverbänden, sondern genauso im und vom Dachverband, dem DBV. Der ist erster und damit wichtigster Ansprechpartner für die Politik in Berlin und in Brüssel, wo maßgeblich über die Rahmenbedingungen für die deutschen Bauern entschieden wird.


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