28.06.2017

Kommentar LZ Rheinland Nr. 26/2017 - Der Klimawandel ist längst da

Alle reden vom Klimawandel. Aber im Rheinland gibt es ihn längst. Leider bekommen die Landwirtschaft und der Gartenbau in diesem Jahr den Klimawandel extrem zu spüren.

Dr. Elisabeth Legge

Kein Jahr ist wie das andere. Erinnern wir uns noch an das vergangene Jahr: Im Mai und Juni gab es Starkregen und am Niederrhein standen die Flächen teils wochenlang unter Wasser. Davon ist man in diesem Jahr weit entfernt. Fakt ist: Seit August vergangenen Jahres hat es nicht mehr genug geregnet. Vielmehr gab es einen trockenen und warmen Herbst. Der Winter war zwar lang und kalt und die Pflanzen sind gut über den Winter gekommen, aber dann folgte ein warmer März, der uns die früheste Spargelernte aller Zeiten bescherte. Der April war wiederum zum Teil sehr frostig und was danach als Nieselregen runterkam, hat kein bisschen ausgereicht.

Im Gegenteil: Der Tank ist leer. Die Böden sind viel zu trocken, vor allem im Westen von NRW vom südlichen Rheinland, dem Niederrhein bis hin zum westlichen Münsterland. Selbst auf den dicksten Lößböden in der Köln-Aachener-Bucht finden die Wurzeln kein Wasser mehr. Und damit nicht genug. Zu der Trockenheit hinzu kamen noch die brüllend hohen Temperaturen in den vergangenen zwei Wochen von 37 °C in der Spitze. Solche Tage bescheren Verdunstungsraten von über 7 mm pro Tag.

Vor allem das Getreide leidet unter dieser extremen Trockenheit. Eine Woche früher als üblich hat daher bereits in der vergangenen Woche die Gerstenernte im Rheinland begonnen. Allerdings sind die Erträge gar nicht so schlecht und werden vermutlich im langjährigen Durchschnitt liegen. Und wie sieht es beim Weizen, der wichtigsten Getreideart im Rheinland, aus? Nun, eher nicht gut. Eine rekordverdächtige Weizenernte ist jedenfalls nicht zu erwarten. Die ersten Weizenfelder werden gelb und dies ist ein Zeichen für Notreife, rund drei Wochen vor dem üblichen Termin. Und das bedeutet immer deutliche Einbußen bei Ertrag und Qualität.

Das Getreide leidet unter der Trockenheit, aber auch die Kartoffeln. Hier ist ebenfalls von einer weniger üppigen Ernte auszugehen, die Qualität der Kartoffeln leidet ebenfalls. Auch das Grünland leidet unter der Trockenheit. Die Kühe auf der Weide werden nicht satt und die ersten beiden Schnitte haben viel zu wenig Futter für den Winter gebracht.

Die Trockenheit trifft nicht nur Deutschland. In ganz Westeuropa ist es zu trocken, extrem vor allem in Spanien. Hier geht man derzeit von einer Halbierung der Getreideernte aus. Auch Australien hat nach der vergangenen Rekordernte mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Das US-Landwirtschaftsministerium hat inzwischen seine Ertragsprognosen nach unten korrigiert. Solche Meldungen sind nicht ohne Wirkung. Die Preise an der Warenterminbörse jedenfalls sind angezogen. Seit Tagen gibt es hier einen festen Trend und der Weizen wird zum Preis von derzeit 160 €/t gehandelt. Dies ist zumindest ein kleiner Lichtblick für die Getreidebauern, die besseren Preise werden aber wohl kaum die geringeren Erträge auffangen können. Das Nachsehen haben Schweinemäster und Ferkelerzeuger. Sie müssen sich auf höhere Futterkosten einstellen.

Keinesfalls einstellen müssen sich allerdings die Verbraucher auf höhere Brötchenpreise, weil die Getreideernte niedriger ausfällt. Wieder einmal kursieren Meldungen, dass Brot und Brötchen in diesem Jahr teurer werden. Das ist Unsinn. Denn der Anteil des Weizenpreises am Brötchen liegt bei unter

1 Cent. Sind die Weizenpreise niedrig, sind es 0,7 Cent, sind sie hoch, sind es etwa 0,9 Cent. Es sind andere Kosten, die sich im Brötchenpreis niederschlagen. Strom und Energie sowie Arbeitskosten sind die Hauptkostenfaktoren. Landwirte gönnen Mühlen und Bäckereien ein gutes Auskommen, aber bei der Diskussion um steigende Getreidepreise und die Auswirkungen auf die Brotpreise sollte man den „Ball wohl eher flach halten“. Bei sinkenden Getreidepreisen müssten dann die Brötchenpreise niedriger ausfallen und das hat es in den vergangenen Jahren ja auch nicht gegeben.

Fakt ist, die Getreideanbauer müssen sich nach einer schon relativ schlechten Ernte im Vorjahr erneut auf eine nicht allzu gute Ernte einstellen. Und sie werden sich einstellen müssen auf den Klimawandel. Möglichkeiten dazu gibt es genug – bei der Sortenwahl, bei den Anbauverfahren, bei Wasser sparenden Verfahren und auch natürlich bei der Beregnung. Und sie müssen sich Gedanken über ein besseres Risikomanagement bei stärker schwankenden Erträgen machen. Schnell kommt da der Ruf nach Hilfe vom Staat. Aber die Erfahrung lehrt, dass sich die Bauern als Unternehmer vor allem selbst helfen müssen. Und egal, wer regiert, am Klimawandel führt für die Bauern kein Weg vorbei.


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