16.04.2020

Kommentar LZ Rheinland Nr. 16/2020 - "Ach, du dickes Ei"

Ostern ist gerade vorbei – und damit das Fest, an dem der Osterhase bunte Eier in die Nester legt, die Kinder extra für diesen Tag vorbereitet haben.

Peter Muß

Aber halt! Vielleicht wurde dank Corona in diesem Jahr auch dem Osterhasen verboten, von Garten zu Garten zu hoppeln und Kinder zu beschenken. Warum soll es dem Langohr besser ergehen als vielen Sonderkulturbetrieben, die das ganze Jahr über ihre Kulturen gepflegt, Saatgut und Jungpflanzen bestellt haben und jetzt nicht wissen, wie sie die Ernte einbringen und das Gemüse für die kommenden Wochen und Monate aussäen beziehungsweise pflanzen sollen. Da kommt bei manchem das Gefühl auf: „Alles für die Katz!“

Die Situation in den Betrieben ist sehr angespannt. Erst wollen Scharen von Freiwilligen Spargel stechen und Erdbeeren pflücken. Aber bitte nur montags von 13.30 bis 15.15 Uhr und freitags von 11.00 bis 12.00 Uhr. Und natürlich nur, wenn die drei Kinder und der Hund mitkommen dürfen. Denn die brauchen ja auch mal „Auslauf“! Hat man trotz dieser Anlaufschwierigkeiten eine Gruppe von Freiwilligen zusammen, stellen einige nach zwei Stunden fest, dass die Arbeit auf dem Feld wenig kreativ – sprich: eintönig – ist. Aber auch die im Fitnessstudio gestählten Körper halten der Belastung oft nicht stand. Nicht selten steht der Betriebsleiter am nächsten Tag ohne Freiwillige da.

Da bleibt nur die Hoffnung, über das Portal des Deutschen Bauernverbandes die benötigte Anzahl an rumänischen Saisonarbeitskräften zu gewinnen, wenn, ja wenn da nicht die zusätzlichen Auflagen wären, die zwingend erfüllt werden müssen. Angefangen bei der strikten Trennung der neu einreisenden und der sonstigen Mitarbeiter über die Begrenzung der Belegung der Unterkünfte mit maximal der Hälfte bis zum Bereitstellen von Desinfektionsmittelspendern in jedem Zimmer und, und, und. Schließlich noch der Aufwand und die Kosten für den Flug, die auch am Arbeitgeber hängen bleiben. Ein ganz schön „dickes Ei“, das die Bundesregierung den Betrieben da ins Nest gelegt hat!

Aber alles Jammern und Lamentieren helfen nicht. „Augen zu und durch!“ lautet die Devise. Entweder aufgeben und die Ernte 2020 abschreiben oder die Herausforderungen angehen und da­rauf hoffen, dass zumindest ein Teil der Ernte eingebracht und zu hoffentlich guten Preisen verkauft werden kann, sodass sich der hohe Aufwand doch noch rechnet. Dem Karnevalslied „Wer soll das bezahlen?“ steht das rheinische Grundgesetz mit „Et hätt noch immer joot jejange“ gegenüber.

Bei allem rheinischen Optimismus, der ja auch durch die momentan guten Verkäufe in den Hofläden der Direktvermarkter geschürt wird, sollte kein Betrieb vergessen, sich an die staatlicherseits verordneten Auflagen zu halten. Diese machen durchaus Sinn, auch wenn sie die Arbeit in den Betrieben erschweren und vielleicht von manchem als überflüssig angesehen werden. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter wie auch der Betriebsinhaber und deren Familien hat oberste Priorität! Es nutzt niemandem, wenn ein Mitarbeiter eines Betriebes positiv auf Corona getestet wird und alle Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden. So sollte die Trennung von Mitarbeitergruppen beispielsweise – wo immer möglich – unbedingt eingehalten werden.

Auch über die Beschäftigung von inländischen Freiwilligen sollten Sie nachdenken, bei allen berechtigten Bedenken. Der Berufsstand macht sich politisch unglaubwürdig, wenn er sich dem Angebot der Freiwilligen verweigert. Vielleicht gibt es in Ihrem Betrieb ja Tätigkeiten, die durchaus auch für Freiwillige geeignet sind.

Schließlich bleibt da noch die Sache mit dem Osterhasen, der Sie hoffentlich trotz aller momentanen Schwierigkeiten und „dicken Eier“, die ihm andere in den Korb gepackt haben, zuverlässig versorgt hat. Falls nicht: Es sind nur noch 8,5 Monate bis Weihnachten! Christkind und Weihnachtsmann werden es in diesem Jahr wohl einfacher haben als der Osterhase.


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