11.04.2018

Kommentar LZ Rheinland Nr. 15/2018 - Ärmel hoch und ran!

Mit dem Frühjahr kommen nicht nur jede Menge Arbeiten in Feld und Flur, sondern auch perfekte Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit. Ja, das kostet Zeit. Ja, das kostet vielleicht sogar Geld. Und ja, es kostet manchmal auch Nerven. Sind das Gründe, die Finger davonzulassen? Definitiv nein, denn wie die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit wegkommt, das geht jeden an, der von und mit ihr lebt. Gerade jetzt, wenn die Arbeit auf dem Feld beginnt, gibt es tolle Möglichkeiten!

Ein positives Bild der Landwirtschaft. Das schafft kein Verband alleine und keine Firma. Das schaffen Sie. Marilena Kipp

Im Prinzip ist es ganz einfach: Das Image der Landwirtschaft liegt allem zugrunde. Egal ob Politiker, Wissenschaftler, Lehrer, Journalisten, städtische Beamte – sie alle sind auch Verbraucher. Sie alle haben ein Bild der Landwirtschaft im Kopf, das sie mit sich herumtragen und das ihre Handlungen und Entscheidungen beeinflusst. Geprägt von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen.

Bei vielen Menschen gibt es meiner Meinung nach zu wenig von diesen Erfahrungen oder schlichtweg die falschen. „Glyphosat? Das war doch das, was in der Muttermilch gefunden wurde. Wogegen letztens demonstriert wurde. Wie, im Bier gab’s das sogar auch?! Wusste ich gar nicht, na lecker.“ So oder so ähnlich kann sich eine Meinung ganz schnell bilden und auch weitergetragen werden.

Mit der anstehenden Saison kommt für Landwirte aber auch die Möglichkeit, diese Meinung maßgeblich zu beeinflussen und das Image ihres Berufsstandes aufzupolieren. Verbraucher und Landwirte teilen sich mit der Feldflur einen gemeinsamen Raum, in dem beide gerade in den Frühjahrs- und Sommermonaten verstärkt aufei­nan­dertreffen. Das kann positiv oder negativ ablaufen. Positiv hieße, dass der Verbraucher mit einem sympathischen Landwirts-Bild im Kopf nach Hause geht und sich denkt: Ach Mensch, netter Typ. Vielleicht einfach nur, weil jemand Rücksicht auf ihn genommen, freundlich gegrüßt oder erklärt hat, was er da so macht. Im schlechteren Fall kann man jedoch auch an Wertschätzung verlieren, beispielsweise wenn es an gegenseitiger Rücksichtnahme fehlt. Heißt im Klartext: Wir müssen Positives fördern und Negatives vermeiden.

Wie? Ganz einfach: Die positiven und schönen Seiten der Landwirtschaft müssen einfach viel, viel öfter auftauchen. Egal ob in der Zeitung, in den sozialen Medien, im Fernsehen, auf Plakaten, auf Flyern, Stickern an den Maschinen, meinetwegen auch auf Feldrandschildern oder einfach in persönlichen Gesprächen. Das kann ein Landwirt sein, der erklärt, warum er seinen Beruf liebt. Dass es ein tolles Gefühl ist zu sehen, wie etwas wächst und gedeiht. Der sich über die Natur freut oder zeigt, wie schön das Feld im Morgentau aussieht, wenn noch alles ruhig ist. Der erklärt, dass man Rehkitze im Grünland sucht, um sie zu schützen. Der beschreibt, wie toll frisch geschnittenes Gras riecht. Hat das etwas von heiler Welt? Ja, aber die gibt es eben auch. Und man kann und muss sie auch anderen näherbringen.

Also kann ich nur appellieren: Werden Sie aktiv. Melden Sie sich bei Facebook und Instagram an, posten Sie Bilder, stellen Sie Schilder an den Feldrand, erzählen Sie den Medien echte Geschichten. Denn mal ehrlich: Wo passiert mehr als in der Landwirtschaft? Gerade jetzt, wo draußen alles losgeht? Mein Ziel: Dass jemand, der gerade mit dem neuesten Schauermärchen über Glyphosat, Nitrat und Co. konfrontiert wird, ein anderes Bild im Kopf hat. Von jemandem, dem er schon mal begegnet ist, der ihm sympathisch ist und dem er vertraut. Ein positives Bild der Landwirtschaft. Das schafft kein Verband alleine und keine Firma. Das schaffen Sie. Also, los geht’s.


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