07.02.2018

Kommentar LZ Rheinland Nr. 06/2018 - Verdamp lang her

Verdamp lang her …, dass das Thema Landwirtschaft ehrlich angegangen wurde. Und „Verdamp lang her, dat vum eine och jet beim andre ahnkohm …“. Es ist schon desillusionierend, dass so mancher Medienvertreter nicht kapiert, wer „hinger ihm herrennt“.

„Arsch huh, Zäng ussenander!“ heißt es für uns Buure!

„Verdamp lang her, dat ich dran jejläuv han“, dass Medienvertreter zumindest den Versuch unternehmen, das Thema Landwirtschaft nach einer ausgewogenen Recherche zu beleuchten. Für Bauern geht es nicht darum zu sagen, dass alles richtig läuft in der Landwirtschaft. Nein, wirklich nicht, sondern da­rum, dass Ursachen analysiert und Lösungen diskutiert werden. Aber für den modernen Journalismus reicht Empörung, von wo auch immer, aus, um „ohne ruut ze wedde“ eine schnelle Meldung abzusetzen. Und „daachs dropp“ wird dann einfach ignoriert, dass es für die Empörung keinen wirklichen Grund gab und die Fakten nicht selten eine andere Sprache sprechen. Darum „ne schöne Jrooß an all die, die unfehlbar sinn, vun nix en Ahnung hann, die ävver immerhin su dunn als ob ...“

Das Vorgehen in den Medienhäusern passt auch zum Verhalten vieler Zuschauer, Zuhörer und Leser. Denn die Skandal-Rhetorik kann sich da­rauf verlassen: die kritische Nachfrage ist nicht die Sache der Generation Twitter. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Verbraucher ein so schlechtes Bild von der Landwirtschaft haben. … „aff un zo“ ist es aber auch herrlich, dass so mancher wirklich glaubt, dass Schokomilch von braunen Kühen kommt, „aff un zo“ aber mehr als erbärmlich, dass der Eindruck entsteht, es ginge den Bauern nur darum, die Natur auszubeuten und Tiere zu quälen. Un so föhlt mer sich schutzlos und „aff un zo“ sogar einsam und nutzlos. Denn dass Landwirte alles daran setzen, den unterschiedlichen Ansprüchen an Natur und Tier ebenso gerecht zu werden, wie die sichere Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten, wird verkannt. „ne schöne Jrooß an all die, die unfehlbar sinn un von nix en Ahnung hann …“

Deutlich wird dies an der Diskussion um das Insektensterben. Nein, wir bezweifeln nicht, dass es weniger Insekten gibt und wir auch Insekten töten zum Schutz der Feldfrüchte. Wenn Flipp – der Grashüpfer – nicht mehr auf Majas Blumenwiese lebt, ist das aber nicht nur ein Problem, das Landwirte verursachen. „Net alles im Lot“. Dass auch wir Bauern Insekten brauchen, interessiert den Medienmenschen aber leider nicht. Der weiß nur: die moderne Landwirtschaft mit ihren Monokulturen ist schuld. „Merkwürdig, wo su manche Haas langläuf“. Während für uns Buure die Monokultur der wiederholte Anbau einer gleichen Kultur auf derselben Fläche ist, meinen die Kritiker den großflächigen Anbau einer Kultur auf einer Fläche. „Et ess lang her, dat ich vüür su jet rootlos stund”: Wie soll denn dann künftig ein Weizenfeld in Mischkultur aussehen? Gleichzeitig zeigt es, dass die Kritiker andere Faktoren, wie die zunehmende Zerschneidung und „Hygiene“ der Landschaften, einbeziehen müssten. Manch Kar Mest im Feld würde dann wieder als eine Lebensgrundlage für manches Insekt gesehen. Deshalb noch „ne schöne Jrooß an all die, die unfehlbar sinn“.

Die Mainstream-Journalisten stehen als Wellenreiter von Kampagnen aber nicht alleine da. Die Politiker in Berlin „kläve für et lääve“ im Parlament an deren Berichten. „Ne Kopp voll nix, nur die paar instinktive Tricks“. Dann werden offensichtliche, wissenschaftliche Fakten – wie bei der Diskussion um das Glyphosatverbot – ausgeblendet und das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) als Hort der Industrielobby diskreditiert. Stattdessen wird Fakten von unabhängigen Instituten, von Greenpeace und anderen Spendensammlern Glauben geschenkt. Dä Trick dä funktioniert janz zügig und reibungslos, etappenweise Entmündigung, klappt famos. „Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfehlbar sinn“.

Am Ende steht das große Problem, dass man den staatlichen Institutionen ebenso wenig jläuv wie der Journaille. Drum leeve Wellenreiter in den Medienhäusern, „et ist nit alles Driss, doch et künnt sinn, dat noch jet ze ändere ess“. Schaut mal genau hin und schwaad mit de Buure, die können die Realität verzälle. Dann kann auch keiner mehr behaupten, „vun nix en Ahnung hann, ävver su dunn als ob ...“

„Arsch huh, Zäng ussenander!“ heißt es für uns Buure! Nur so ist es möglich, die vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft, die bereits umgesetzt wurden, zu kommunizieren und zu klären, in welchem Zeitraum zu welchen Kosten weitere Veränderungen überhaupt möglich sind. Ne schöne Jrooß mit Alaaf und Helau und der Gewissheit, dat da Ärjer von hück – un dat jeht flöck – die jode ahle Zick vun morje ist.

Vell Spass an de Freud!


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