17.01.2018

Kommentar LZ Rheinland Nr. 03/2018 - Sorgenkind Erde

Das Wort „Klimawandel“ ist in aller Munde. Und kaum ein Wort führt zu solch starken Diskussionen. Gibt es ihn wirklich? Ist die Erde angeschlagen? Ist der Mensch verantwortlich? Oder handelt es sich vielleicht einfach um Temperaturschwankungen, die normal sind und auch schon vor Tausenden von Jahren vorkamen? Selbst Wissenschaftler sind sich nicht einig. Doch Fakt ist: Es gibt Symptome und die sollte man nicht leugnen.

Marilena Kipp

In den letzten 136 Jahren ist es in Deutschland etwa 1,4 °C wärmer geworden. Gleiches gilt für den Niederschlag. Hier sind es im selben Zeitraum 9 % mehr geworden. Und auch die Landwirtschaft fühlt sich Wetterextremen zunehmend schutzlos ausgeliefert. Hochwasser, Hagel, später Frost, Sturm, Trockenheit – die Liste ist lang. Gefühlt kommt es einem so vor, als sei ein paar Wochen alles gut, und dann kommt direkt das nächste Übel, ähnlich wie bei einem angeschlagenen Immunsystem. So in etwa ist die Erde für mich vergleichbar mit einem Menschen, dessen Immunsystem nicht stabil ist. Sei es durch Stress oder andere Probleme. Er ist anfällig für Krankheiten. Was tut man in einem solchen Fall? Richtig! Entspannen, aufpäppeln und das Immunsystem stärken.

Landwirtschaft ist jedoch mehr als nur ein kleiner Wirtschaftszweig. Sie ist ein existenzielles Gut und daher im Fokus aller. Und auch die Landwirtschaft produziert klimaschädliche Gase und steht dadurch des Öfteren in der Kritik. Da helfen auch keine Aussagen wie „So groß ist unser Einfluss doch gar nicht“. Auch wenn sie wahr sind (und das sind sie), sie werden nicht gerne beziehungsweise kaum gehört. Also bleibt uns nur, offensiv zu reagieren und das Thema einfach anzupacken! Landwirtschaft steht in Sachen Klimawandel nämlich in einer besonderen Situation. Sie ist Mitverursacherin, Leidragende, aber auch Nutznießerin. Sie ist vor allem aber Teil der Lösung. Was wir als Branche gegen den Klimawandel tun? Eine ganze Menge! Wir bauen heimische Eiweißpflanzen an, um Soja-Importe zu vermindern, wir arbeiten an emissionsarmer Nährstoffausbringung, wir nutzen erneuerbare Energien, um nicht länger auf fossile Brennstoffe angewiesen zu sein, wir werben für regionale und saisonale Lebensmittel, wir haben die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft seit 1990 bereits um 16 % gesenkt. Wir tun etwas und werden besser! Genauso wünschen wir uns natürlich auch vom Verbraucher, dass er etwas verändert: Regionale Lebensmittel wieder mehr wertschätzt. Auf Saisonalität achtet. Weniger Essen wegwirft.

Doch damit wären wir wieder bei den allseits bekannten gegenseitigen Vorwürfen, die uns nicht weiterbringen. Sie kosten einfach nur wertvolle Zeit. Es liegt nun an uns, den Klimaschutz in die Hand zu nehmen. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern alle Menschen auf dieser Erde. Klimawandel ist ein Thema, bei dem das Branchendenken aufhören muss. In dieser Sache sitzen wir alle im selben Boot. Wir alle leben auf dieser Erde und wir haben nun mal nur die eine.

Also ist es dringend an der Zeit, dass sich jeder an die eigene Nase fasst. Das fängt bei Fernreisen an und hört beim Heizen im Haus oder der Autofahrt zum Einkaufen auf. Und ja, es betrifft auch den eigenen Betrieb. Wo kann ich etwas verbessern? Wo etwas einsparen? Jede kleine Änderung kann in der Masse viel bewegen. Klimawandel muss stärker zum Thema werden. Nicht die Diskussionen darum, ob es ihn gibt oder wer aus welchem Abkommen aussteigt. Es muss zum Thema werden, dass jeder Einzelne von uns alles tut, was er kann, um unsere angegriffene Erde zu schützen. Sie aufzupäppeln und auch für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.


LZ Rheinland Nr. 06/2018

Gartenbau Profi Nr. 01/2018

Spargel & Erdbeerprofi Nr. 01/2018

Rheinlands Reiter+Pferde 02/2018