04.01.2018

Kommentar LZ Rheinland Nr. 01/2018 - Es gibt viel zu tun

„Ein frohes neues Jahr.“ Das wünscht man sich an Neujahr. Was das Jahr 2018 bringen wird, wissen wir nicht. Aber eines ist sicher: Auf die Landwirtschaft kommen wieder große Herausforderungen zu.

Dr. Elisabeth Legge

2017 hatte es in sich. Das Jahr wird den Landwirten wohl noch lange in Erinnerung bleiben (siehe S. 10). Insbesondere das Wetter hielt die Bäuerinnen und Bauern in Atem: Trockenheit im Frühjahr, der große Frosteinbruch im April, der den Obstbauern schwer zu schaffen machte, und erschwerte Wetterverhältnisse bei der Getreideernte. Aber es gab auch andere Themen, die die Bäuerinnen und Bauern bewegten. Denken wir beispielsweise an die Angriffe auf die moderne Landwirtschaft durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Rahmen ihrer Plakataktion „Bauernregeln“. Oder an den ehemaligen NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel mit seinen untragbaren Vorstellungen zur Novelle der Düngeverordnung.

Auch mit Beginn des neuen Jahres steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen:

Der Klimawandel: Wohl kaum ein Berufszweig ist so abhängig vom Wetter wie die Landwirtschaft. Und der Klimawandel hat das Rheinland längst erreicht. Die Wetterextreme im vergangenen Jahr beweisen es. Der Klimawandel führt zu instabileren Erträgen und größeren Produktions- und Einkommensrisiken. Darauf müssen sich die Landwirte einstellen.

Die Märkte: Die größte Herausforderung für die Landwirtschaft sind und bleiben auch im neuen Jahr wieder die Märkte. Für die Tierhalter hat sich die Situation entspannt. Milcherzeuger und auch Schweinehalter verdienen dank deutlich besserer Preise für ihre Produkte wieder etwas mehr. Rinderhalter können sich sogar über sehr gute Preise freuen. Die Ackerbaubetriebe liegen dagegen noch unter dem bereits bescheidenen Vorjahresergebnis. In vielen Betrieben reicht das Einkommen unverändert nicht zum Auskommen. Wie sich die Märkte weiter entwickeln werden, ist unklar. Sie werden jedenfalls immer volatiler und dies fordert die Landwirte in besonderem Maße.

Die Düngeverordnung: Speziell gefordert ist die deutsche Landwirtschaft inzwischen durch die Mitte des vergangenen Jahres in Kraft getretene neue Düngeverordnung. Vorausgegangen ist ihr eine jahrelange politische Diskussion, aus der dann letztendlich ein kompliziertes Regelwerk entstanden ist, das nicht nur den Einsatz von Wirtschaftsdüngern strenger reglementiert, sondern auch eine umfangreiche Dokumentationspflicht für die Landwirte vorsieht. Und dies betrifft nicht nur die Vieh haltenden Betriebe, sondern sämtliche Betriebe, die düngen. Und das sind nahezu alle. Leider zeigt sich schon jetzt, dass die Auflagen der neuen Düngeverordnung in vielen Betrieben nicht wirtschaftlich zu erfüllen sind. Dies dürfte den Strukturwandel weiter beschleunigen.

Die Agrarpolitik: Das Jahr 2018 wird ganz im Zeichen der EU-Agrarpolitik nach 2020 stehen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat Anfang Dezember schon Pläne für die Neuausrichtung der Agrarförderung vorgestellt. Die guten Botschaften zuerst: Es wird künftig angeblich weniger Bürokratieaufwand geben, das Greening und auch Cross Compliance sollen wegfallen. Auch die Direktzahlungen bleiben. Aber wahrscheinlich wird es hierfür – das ist die schlechte Nachricht – künftig weniger Geld geben. Für die Landwirte ist es aber wichtig zu wissen, wie es in Sachen Agrarförderung nach 2020 weitergehen wird. Und hier ist auch die Bundespolitik gefordert. Bleibt nur zu hoffen, dass der zähe Prozess der Regierungsbildung in Deutschland schnell zu einem Ende kommt, denn es sind klare Signale einer voll handlungsfähigen Bundesregierung nötig, welchen Förderbetrag sie zur Finanzierung des EU-Haushaltes leisten will und wie sie die Agrarförderung auch künftig mit einer starken ersten Säule ausstatten möchte. Schließlich hängen für die Landwirte von der Förderung mehr als 50 % des Einkommens ab. Auch die NRW-Landesregierung ist in Sachen Agrarpolitik gefordert. Im kommenden Jahr übernimmt NRW den Vorsitz bei der Agrarministerkonferenz. Hier kann die neue Ministerin Christina Schulze Föcking bundesweit Signale setzen, unter anderem bei der Dauerbaustelle Pflanzenschutzmitteleinsatz.

Das Bild der Landwirtschaft: Nach wie vor hat die Gesellschaft ein völlig falsches Bild von der Landwirtschaft. Trotz aller Erfolge ist hier Aufklärungsarbeit weiterhin dringend nötig. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit gilt es daher, auch im neuen Jahr am Ball zu bleiben.

Also, es gibt viel zu tun und Baustellen gibt es mehr als genug. Hier sind in erster Linie die Politik und der Berufsstand gefragt, diese Baustellen anzugehen und natürlich auch abzubauen. Dass dies gelingt, ist den Landwirten und ihren Familien nur zu wünschen. In diesem Sinne: „Ein frohes neues Jahr.“


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