12.10.2020

Kommentar Gartenbau Profi Nr. 10/2020 - Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft

Birgit Scheel

Mehr Umweltschutz und bessere Bedingungen in der Nutztierhaltung, aber auch weniger Niedrigpreise bei Lebensmitteln: Nach jahrelangem Streit über Landwirtschaft in Deutschland hat im September eine Regierungskommission einen neuen Anlauf für einen breiten Konsens aufgenommen.

Um die Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Lebensmittelproduktion und den Belangen des Umweltschutzes zu lösen, hat nun die Bundesregierung die Zukunftskommission Landwirtschaft einberufen. Sie soll konsensfähige Lösungen für eine wirtschaftliche, ökologische und sozial tragfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft entwickeln.

Angesichts bundesweiter Bauernproteste hatte Kanzlerin Angela Merkel das beratende Gremium Ende letzten Jahres vorgeschlagen. Ein dreiviertel Jahr hat es dann gedauert, bis die Zukunftskommission ihre Arbeit aufgenommen hat. Einen ersten Zwischenbericht soll sie noch im Herbst vorlegen, den Abschlussbericht mit Empfehlungen im Juni 2021. Für den ganz großen Wurf ist da nicht viel Zeit.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckler sieht die Einsetzung der Kommission als klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. „Wir wollen, dass eine wirtschaftlich erfolgreiche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft in unserem Land eine gute Zukunft hat. Damit die junge Generation bereit ist, auch weiterhin die Höfe ihrer Eltern und damit viel Arbeit zu übernehmen, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens.“

Die 32 Mitglieder der Kommission sind Vertreter/innen aus Wirtschaft, Wissenschaft sowie von Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen und sollen praxistaugliche Empfehlungen erarbeiten und für eine produktive und ressourcenschonende Landwirtschaft sorgen. Da die Ansichten der einzelnen Organisationen zum Teil sehr weit auseinanderdriften und sich in der Vergangenheit nur selten verständigen konnten, soll die Kommission nun ein übergreifendes gemeinsames Verständnis entwickeln, wie mehr Klima- und Umweltschutz, Biodiversität und Tierwohl mit den fundamentalen Aufgaben der Erntesicherung und der ökonomischen Tragfähigkeit zusammengebracht werden können.

Der gesellschaftliche Druck ist hoch – zumindest in einzelnen Gruppen. Daher ist die Zukunftskommission Landwirtschaft nur zu begrüßen und bietet die Möglichkeit, aufeinander zuzugehen. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben ist die finanzielle Lage heute zum Teil sehr prekär und die Branche braucht dringend verlässliche Produktionsbedingungen, die wirtschaftlich eine Grundlage darstellen und den Höfen eine Zukunft bieten. Einig sind sich alle Beteiligten, dass künftig die Qualität an erster Stelle stehen soll, zu der auch Klima- und Tierschutz gehören und die den Bauern auch dann einen fairen Erlös garantiert, wenn der Verbraucher doch nur auf den Preis achtet. Dabei ist aber auch offenkundig, dass höhere Standards Geld kosten. Zudem stehen die Landwirte jeden Tag im Wettbewerb mit Importware, die teilweise unter niedrigeren Produktionsstandards erzeugt wurden und deshalb kostengünstiger ist. Wenn wir also in Deutschland eine gewisse bäuerliche Vielfalt erhalten wollen, brauchen wir auch realisierbare Lösungen.

Die Erwartungen an die Kommission sind groß – von allen Seiten. Allerdings geht das Gremium ohne ein konkretes Ziel in seine Sitzungen. Das macht den Gestaltungsprozess schwierig, da die Wünsche der verschiedenen Interessengruppen weit auseinandergehen. Laut einem Entwurf sind acht Plenumssitzungen geplant, und umkämpfte Themen gibt es viele.

Aber auch wenn die Zukunftskommission zu einem Ergebnis kommen sollte, muss dieses mit der EU in Brüssel abgestimmt werden, und da kommen mit den jeweiligen Interessen seiner 27 Mitglieder neue Probleme für eine gesunde und umweltgerechte Agrarpolitik hinzu.

 

 „Wir wollen, dass eine wirtschaftlich erfolgreiche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft in unserem Land eine gute Zukunft hat.“

Zitat: Julia Klöckner


Neuerscheinung

LZ Rheinland Nr. 49/2020

Gartenbau Profi Nr. 11/2020

Spargel & Erdbeerprofi Nr. 05/2020

Rheinlands Reiter+Pferde Nr. 12/2020

All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish