13.09.2021

Kommentar Gartenbau-Profi Nr. 09/2021 - Wetter, Klima und sonstiges Ungemach

Thomas Kühlwetter

Alle reden vom Wetter. Dabei hat das Thema den Smalltalk-Status längst hinter sich gelassen und ist leider immer häufiger in den Katastrophen-Schlagzeilen. Das Jahr 2021 wird vielen Menschen als ein Jahr der Wetterextreme in Erinnerung bleiben.

Nach drei Jahren mit heftigen Dürren in großen Teilen Deutschlands machen in diesem Jahr in vielen Regionen ungekannte Wassermassen von sich Reden. Die Folgen der Flutkatastrophen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern werden noch lange zu spüren sein. Schäden gab es aber auch durch Schneemassen vom Niederrhein bis Thüringen, einen Tornado in Borken-Weseke, Gewitter-Superzellen in Baden-Württemberg und Bayern, den kältesten Mai seit 2010 mit Sturmtiefs und Spätfrösten, Trockenheit im Frühjahr und Sommer im Osten, Hitzewellen mit Tropennächten im Juni im Großraum Berlin – die Liste der Wetterextreme 2021 ließe sich noch fortsetzen.

Gartenbau und Landwirtschaft waren schon immer vom Wetter und dem Klima abhängig. Über Jahrhunderte hatte der Mensch gelernt, sich und seine Kulturen dem anzupassen, damit umzugehen und seinen Nutzen daraus zu ziehen. So haben es Weinreben und Olivenbäume beispielsweise bisher nicht nach Nordeuropa geschafft, aber das ändert sich gerade mit zunehmenden Temperaturen. Der Klimawandel ist da, seine verheerenden Auswirkungen treffen nicht mehr nur die Bevölkerung anderer Kontinente, sondern auch uns.

Dabei geht es nicht nur um die unmittelbaren Schäden durch Wetterereignisse. Die Erwärmung unserer Breiten geht auch mit der starken Vermehrung bekannter oder auch neu eingewanderter Schädlinge einher. Kirschessigfliege, Marmorierte Baumwanze, Borkenkäfer, Maikäfer, Buchsbaumzünsler, Eichenprozessionsspinner, Mäuse, um nur einige Plagen zu nennen, die in letzter Zeit auch in einigen Gebieten des deutschsprachigen Raumes zu massiven Problemen und Ertragsausfällen an Kulturpflanzen geführt haben. Andererseits wird das Insektensterben beklagt, das durch eine immer geringer werdende Anzahl an Bestäuberinsekten weltweit die Ernten in Gefahr bringt.

Der Mensch versucht, so gut es geht, mit den neuen Gegebenheiten zurechtzukommen. Die Züchtung sucht schon länger nach trockenheitsresistenten, robusten Sorten. An ausgeklügelten möglichst sparsamen Bewässerungssystemen wird getüftelt. Kulturen werden mit Regenkappen, Hagelschutznetzen, Vliesen, Frostschutzberegnung oder Schattierungen vor Witterungseinflüssen geschützt. Weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung und Verringerung des CO2-Ausstoßes sollen den Klimawandel bremsen. Anbauer möchten ihre Kulturen gegen Schäden durch Wetterereignisse versichern und fordern vom Staat Zuschüsse dafür, weil aufgrund der immer größeren Wahrscheinlichkeit der Schadensfälle die Versicherungsbeiträge hoch sind und Wettbewerbsverzerrungen zu einem Ungleichgewicht auf dem Markt führen.

Hohe Technisierungsgrade, feine Sensoren und eine fortschreitende Digitalisierung bieten immer mehr Möglichkeiten, die Kulturen zu rationalisieren, zu überwachen und zu optimieren. Kameratechnik, GPS, Drohnen und zahlreiche Apps unterstützen Gärtner und Landwirte auf dem Acker und im Gewächshaus. Sicherlich bietet modernste Technik viele Vorteile und die grüne Branche sollte mit der Zeit gehen. Auch für orts- und zeitgenaue Wetterprognosen gibt es heute bessere Möglichkeiten als früher.

Auf etwas höhere Temperaturen und damit eine verlängerte Vegetationsperiode sowie Trockenheit kann sich der moderne Anbauer mit verschiedensten Maßnahmen noch einstellen. Aber gegen schlagartige Wetterereignisse wie Starkregen mit Überschwemmungen, Wirbelstürme, Schneeverwehungen oder groben Hagel sowie gegen Spätfröste oder wochenlange Dürren sind wir machtlos. Meteorologen sind sich einig, dass Wetterextreme in Zukunft häufiger auftreten werden. Ob sie immer dem Klimawandel zugeschrieben werden können, ist noch nicht ausreichend erforscht. Wetterextreme gab es auch schon vor dem Klimawandel. Allerdings scheint der Klimawandel ihre Entstehung zu begünstigen. Wir sollten uns so gut es geht darauf einstellen und, wo wir es noch können, gegensteuern.

 

Zitat:

„Bezogen auf den Klimawandel stehen wir trotz aller schon spürbarer Veränderungen gerade erst am Anfang.“

Sven Plöger, Diplom-Meteorologe


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