22.09.2020

Kommentar Gartenbau Profi Nr. 09/2020 - Alles Schlechte hat auch was Gutes

Marion Valenta

Die alte Volksweisheit sagt es bereits: Allem Schlechten kann man auch etwas Gutes abgewinnen. Voraussetzung ist, man gibt sich Mühe. So ist es auch mit der Corona-Pandemie. Sicherlich überwiegen die schlechten Seiten. Die eigene Gesundheit und die von Menschen aus der Umgebung ist gefährdet, die persönliche Freiheit wurde durch zahlreiche Maßnahmen eingeschränkt und so richtig weiß keiner, wohin das alles noch führen wird.

Was einen als Privatperson schon belastet, trifft Unternehmer, die mit schnell verderblicher Ware wie Obst, Gemüse oder Zierpflanzen arbeiten, noch härter. Plötzlich stand das ganze Land zu Beginn der Pandemie still und niemand wusste mehr, ob er seine Ware absetzen kann, ob sich die Kunden überhaupt noch zum Einkaufen (abgesehen von Lebensmittel-Hamstereinkäufen) trauen und ob Obst und Gemüse überhaupt geerntet bzw. gepflanzt werden kann.

Aber anstatt zu jammern, dass weniger Erntehelfer einreisen dürfen oder wollen (aus Angst), haben einige Anbauer nach kurzem Schock die Initiative ergriffen und meist zusammen mit ihren Verbänden Einreisemöglichkeiten geschaffen. Diese berufsständischen Vertretungen haben sich meist erfolgreich bei der Politik dafür eingesetzt, dass Landwirtschaft und Gartenbau als systemrelevant angesehen werden und Unterstützung brauchen. Außerdem sind zahlreiche gute Initiativen entstanden, um einheimische Erntehelfer zu finden. Vielleicht bleiben einige davon bestehen und verhelfen so manchem Studenten auch in Zukunft zu einem Job in Landwirtschaft und Gartenbau. Die Nähe zur Urproduktion lässt bei so manchem mehr Wertschätzung für das Produkt und den Produzenten entstehen.

Die fehlenden Erntehelfer waren in diesem Jahr das eine Problem. Durch geschlossene Märkte und Gastronomie sind vielen Anbauern aber auch die Käufer weggeblieben. Vor allem hier zeigte sich, wer sich schnell auf neue Situationen einstellen kann, gewinnt. Die Unternehmer, die Lieferservice, Online-Shops oder andere Vermarktungsformen schnell auf die Beine stellen konnten, werden wahrscheinlich gut aus der Krise kommen.

Waren die Erntehelfer dann endlich da, mussten sie mit mehr Platzanspruch untergebracht werden. Auch hier werden diejenigen die Nase vorne haben, die schon vor der Krise in die Unterbringung ihrer Mitarbeiter investiert haben. Ist es doch seit Langem für viele Anbauer schwierig, Mitarbeiter zu finden und zu halten. Auch Saisonarbeitskräfte - vor allem Leute mit Erfahrung - werden mittlerweile gesucht und tauschen sich gegenseitig über die Betriebe aus. Einige Unternehmen haben längst verstanden, dass sie den Menschen etwas bieten müssen. Geräumige, modern eingerichtete Wohnungen, WLAN, Catering sind nur Beispiele. Die Wertschätzung für die Mitarbeiter drückt sich eben nicht nur durch die Lohntüte aus, sondern beruht auch stark auf dem respektvollen Umgang.

Aber was kann der Einzelne tun, um der Corona-Zeit etwas Gutes abzugewinnen? Zum einen zeigt uns die Pandemie einmal mehr, dass sich von heute auf morgen die Vorzeichen ändern können. Dass man auch als gesunder Mensch schwer krank werden und sogar an den Folgen der Covid-19-Erkrankung sterben kann.

Viele hat das zum Nachdenken angeregt: Ist immer mehr Umsatz und damit verbunden immer mehr Stress wirklich erstrebenswert? Reicht es nicht, wenn es "zum Leben gut reicht"? Bin ich als Unternehmer gut ersetzbar, wenn ich unerwartet ausfalle? Sind Familienangehörige oder wichtige Angestellte in alle Betriebsabläufe ausreichend eingeweiht, dass der Betrieb störungsfrei weiterlaufen kann?

Zum anderen berichten viele Anbauer von einer gesteigerten Wertschätzung der Bevölkerung ihnen und ihrem Beruf gegenüber. Bleibt nur zu wünschen, dass diese länger anhält als uns die unsägliche Pandemie beschäftigen wird.

 

Zitat: „Eine Krise ist auch eine Chance, Gewohntes zu hinterfragen“.


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