05.08.2021

Kommentar Gartenbau-Profi Nr. 08/2021 - Wenn die Worte fehlen

Thomas Kühlwetter

 

Naturkatastrophen hat es immer schon gegeben und je weiter entfernt vom eigenen Standort sie sich ereignen, je weniger betroffen reagieren die Menschen oftmals. Die außergewöhnlichen Regenfälle Mitte Juli mit Niederschlagsmengen von z.T. über 200 l/m²/Tag haben einige Orte und Regionen in Belgien, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, in der Nordschweiz und im Tessin so verändert, dass in absehbarer Zeit dort nichts mehr so sein wird wie zuvor. Den Betroffenen und den Helfern entpuppt sich vor Ort oftmals nur noch ein Bild des Schreckens.

Beim Elbhochwasser 2002 starben damals 45 Menschen. Jetzt sind alleine im Ahrtal bis Ende Juli schon über 120 Menschen ums Leben gekommen und immer noch werden Menschen vermisst. Die Auswirkungen der Starkniederschläge haben eine unvorstellbare Dimension erlangt. So hatte z.B. die Ahr bei ihrem letzten Hochwasser 2016 einen Pegel von 3,71 m erreicht, das Tief „Bernd“ ließ deren Pegel auf bis dahin unvorstellbare geschätzte 9 m ansteigen.

Ganze Dörfer und Städte wurden geflutet, den Bewohnern der Häuser blieb oft nicht einmal die Zeit, um das Notwendigste zu packen. Betroffene berichten von unvorstellbaren Szenen – ganze Häuser mitsamt der Menschen, die sich darin aufhielten, wurden ebenso weggespült wie Autos und deren Insassen, häufig ohne später nochmals ein Lebenszeichen von ihnen zu erfahren.

Mit dem Abzug des Wassers wurde das Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung mehr und mehr deutlich. Von Zuständen, die schlimmer als im Krieg waren, berichten Augenzeugen, die schon den zweiten Weltkrieg miterlebt hatten – und all dies in einer Gesellschaft, die sich als hochentwickelt bezeichnet, in der technischer Fortschritt das Leben bestimmt, in der  Künstliche Intelligenz und Digitalisierung feste Bestandteile des Alltags geworden sind und uns Menschen suggerieren, das wir (fast) alles inklusive der Natur im Griff haben.

Wie trügerisch dieser Glaube an eine scheinbar unerschütterliche Sicherheit sein kann, hat sich nun auf eine schreckliche Art und Weise gezeigt. Wer nicht direkt betroffen ist, kann kaum nachvollziehen, was es bedeutet, wenn Angehörige oder die Nachbarn von einem auf den anderen Moment nicht mehr da sind, wenn eine Rückkehr ins Haus oder die Wohnung nicht mehr möglich ist, wenn man alles, was man über viele Jahre mit Mühe aufgebaut hat, binnen kürzester Zeit verliert und plötzlich vor dem absoluten Nichts steht.

Die anschließende Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß – und das muss sie auch sein, wenn man sich vor Augen führt, was geschehen ist. Und einige Berufsgruppen treten dabei besonders hervor, die Landwirte mit an erster Stelle zu nennen, und das nicht nur aus den unmittelbar angrenzenden Regionen, sondern aus der gesamten Republik. Ihr Einsatz mit großen Traktoren und Karren ist beeindruckend, genau wie der, der Entsorger und Transportunternehmen und der vielen tausend ungenannten freiwilligen Helfer, die neben den offiziellen vor Ort im Einsatz befindlichen Kräften dafür sorgen, dass möglichst schnell eine gewisse Form von Normalität eintritt.  

Wer die Bilder aus Belgien, aus Bayern, aus Schuld, Erftstadt, Münstereifel und den zahlreichen anderen Orten sieht, die ein Bild wie nach dem Krieg vermitteln, weiß, dass eine Rückkehr zur Normalität nicht binnen weniger Monaten möglich sein wird – es wird viele Jahre in Anspruch nehmen und vieles wird danach nicht mehr so sein, wie es einmal war, weil es schlichtweg fahrlässig wäre, die alten Strukturen wieder neu aufzubauen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es fast wie ein zu vernachlässigender Nebenschauplatz, dass auch tausende Hektar landwirtschaftlich und gartenbaulich genutzter Flächen von den Wassermassen so stark geschädigt wurden, dass Ernte oder Infrastruktur (z.B. in Form von Gerüstkonstruktionen, Überdachungen, Tunneln oder Gewächshäusern) zerstört sind. Für die im Einzelfall Betroffenen können auch diese Schäden immens sein, z.T. vielleicht sogar existenzbedrohend, wenn sie nicht durch eine Versicherung abgedeckt sind.

Thomas Kühlwetter

„Wenn man die Bilder aus den Überflutungsregionen sieht, fehlen die Worte.“

 

 


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